35 Jahre UOKG
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Protokoll der Gründung der UOKG 1991
Protokoll der Gründung der UOKG 1991
Der Vorstand der UOKG im Jahr 2015
Der Vorstand der UOKG im Jahr 2015

Wenn die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft im Jahr 2026 auf ihr 35-jähriges Bestehen zurückblickt, so markiert dies weit mehr als nur ein bloßes Vereinsjubiläum. Es steht für dreieinhalb Jahrzehnte eines unermüdlichen zivilgesellschaftlichen Ringens um historische Wahrheit, gesellschaftliche Würdigung und die Anerkennung des Leids, das unzähligen Menschen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) widerfahren ist. Die Geschichte der UOKG ist ein einzigartiges Dokument des Übergangs vom individuellen Schweigen und Trauma hin zu kollektiver Erinnerungspolitik und demokratischer Einmischung.

Gründung und die formelle Etablierung
Die Keimzelle des Dachverbandes bildete sich in der aufgewühlten Transformationsphase unmittelbar nach dem Fall der Berliner Mauer. Bereits im Herbst 1990 kam es in Königswinter zu einem historischen ersten Treffen von Vertretern der politischen Häftlinge. Der dringende Wunsch, den unzähligen Opfern der Diktatur – die in der Euphorie der Wiedervereinigung oft ins Hintertreffen zu geraten drohten – eine starke, geeinte Stimme zu verleihen, führte rasch zu strukturellen Schritten.
Am 19. und 20. Oktober 1991 fand die offizielle Gründungsversammlung der UOKG in Berlin statt. Sieben Verbände schlossen sich damals initial zusammen. Zum Gründungsvorsitzenden wurde Lothar Brauer gewählt. Gemeinsam mit Heidrun Brauer hatte er die Initiativgruppe Buchenwald 1945–1950 e. V. ins Leben gerufen, der es zu verdanken war, dass die Öffentlichkeit überhaupt erst massiv auf die Massengräber des sowjeti-schen Speziallagers Buchenwald aufmerksam wurde. Brauer stand für einen glaubwürdigen und ehrlichen Beginn der Aufarbeitungsarbeit. Dennoch legte er bereits im März 1992 sein Amt nieder. Sein Grund verriet viel über den inneren Kompass der Organisation: Brauer war selbst kein direktes Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft. Um die Authentizität und das Außenbild der UOKG zu stärken, hielt man es für essenziell, dass ein selbst Betroffener an der Spitze stehe.
Auf ihn folgte im März 1992 Roland Bude als Bundesvorsitzender. Bude, der selbst fünf leidvolle Jahre als Häftling im sibirischen Straflager Workuta überlebt hatte, gab der UOKG nun ein prägendes Gesicht aus den Reihen der Schwerstbetroffenen. Parallel dazu fasste der Verband bereits am 8. Dezember 1991 einen entscheidenden Entschluss, der als erster juristischer Meilenstein gelten kann: Man beschloss, intensiv und gestaltend auf das in Planung befindliche 1. SED-Unrechtsbereinigungsgesetz Einfluss zu nehmen.

Die Vorsitzenden im Wandel der Zeit
Die Entwicklung der UOKG ist untrennbar mit den Persönlichkeiten an ihrer Spitze verbunden, die den Dachverband zu einer unverzichtbaren bundespolitischen Instanz formten. Heute vereint die UOKG als gewichtige Dachorganisation über 40 Mitgliedsverbände. Hierzu zählen unter anderem die Lagergemeinschaften der NKWD-Speziallager, Menschenrechtsvereine, vielfältige Aufarbeitungsinitiativen und Vereinigungen ehemals politischer Häftlinge sowie mehrere Gedenk- und Bildungsstätten.
Ein Architekt der Öffnung war der Journalist Horst Schüler, der die UOKG von 2001 bis 2007 als Bundesvorsitzender führte und danach bis zu seinem Tod im Jahr 2019 als ihr Ehrenvorsitzender wirkte. Schülers Vita war erschütternd: 1951 verhaftet und wegen angeblicher „Spionage“ zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, wurde er nach Workuta deportiert. Unter Schülers Führung trieb die UOKG eine essenzielle strategische Ausweitung voran: Sie verstand sich fortan nicht mehr nur als Interessenvertreterin der klassischen politischen Häftlinge, sondern öffnete sich explizit für weitere, oft marginalisierte Opfergruppen der kommunistischen Herrschaft. Die Zahl der Mitgliedsverbände stieg in dieser Phase signifikant an.
Auf Schüler folgte von 2007 bis April 2015 Rainer Wagner, mit dem die Spezialheime und die Erforschung politischer Zwangsarbeit in den Fokus rückten. Im Oktober 2015 wurde schließlich Dieter Dombrowski mit großer Mehrheit zum neuen Bundesvorsitzenden gewählt. Der profilierte brandenburgische Politiker, einst selbst politischer Gefangener, verlieh der UOKG in Politik und Gesellschaft noch größeres Gewicht. Unter Dombrowskis Führung trat der Verband vehement für die Entschädigung von Zwangsausgesiedelten ein und kämpfte leidenschaftlich für die Anerkennung und Beseitigung gesundheitlicher Folgeschäden. Für sein tiefes Engagement wurde Dombrowski im Jahr 2023 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Der Umzug in die ehemalige Stasi-Zentrale
Ein hochemotionaler Meilenstein für die UOKG war der Umzug der Bundesgeschäftsstelle. Im September 2013 bezog der Verband seine Räumlichkeiten an der historisch hochbrisanten Adresse des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR in der Normannenstraße. Die Symbolkraft dieses Umzugs lässt sich kaum überschätzen. An dem Ort, an dem der Überwachungsstaat einst systematische Repression, Zersetzung und Verhaftungen plante, haben nun die Überlebenden dieser Gewalt das Wort. Auf dem heutigen „Campus für Demokratie“ bündelt die UOKG nicht nur ihre Verwaltungsaufgaben, sondern betreibt auch ihre essentiellen Anlauf- und Beratungsstellen für politisch Verfolgte. Aus der einstigen Zentrale des Schreckens ist ein lebendiger Ort der Aufarbeitung und Hilfe geworden.

Das Tabu der Zwangsadoptionen
Eine der traumatischsten und am längsten verschwiegenen Repressionsmethoden der SED-Diktatur war der politisch motivierte Kindesentzug. Bereits 2010 etablierte die UOKG als erste Anlaufstation eine spezialisierte Beratungsstelle für Betroffene von Zwangsadoptionen, um bei der schweren Suche nach familiären Wurzeln unter den komplexen Vorgaben des Datenschutzes zu helfen. Den endgültigen öffentlichen und gesellschaftlichen Durchbruch erzielte die UOKG mit dem Kongress „Entrückte Biografien“ im November 2015 in der Gedenkstätte Berliner Mauer. Zum ersten Mal wurde breit und unmissverständlich dokumentiert, dass im realen Sozialismus systematische Zwangsadoptionen stattfanden.

Kongresse für marginalisierte Opfergruppen
Neben der direkten Betroffenenberatung etablierte die UOKG immer wieder bedeutende Kongresse, um dunkle und gesellschaftlich vergessene Aspekte der DDR-Geschichte ins grelle Licht der Öffentlichkeit zu ziehen.

Die Bundesfrauenkongresse
Frauen waren im Repressionssystem der DDR oft spezifischen Traumata ausgesetzt – so etwa im berüchtigten Frauenzuchthaus Hoheneck. Um diesen Schicksalen Raum zu geben, organisierte die UOKG mehrere eindrucksvolle Bundeskongresse politisch verfolgter Frauen der SBZ/DDR. Der erste Bundesfrauenkongress fand 2021 sehr bewusst in Stollberg am Rande des damaligen Gefängnisses Hoheneck statt. Hier begannen Frauen nach 30 Jahren des Schweigens erstmals öffentlich auf Podien über Inhaftierung, Ohnmacht und Zwangsarbeit zu sprechen.
Im Oktober 2023 knüpfte der 2. Bundesfrauenkongress unter dem Titel „Verronnene Zeit – Aufklärung, Aufarbeitung, Netzwerke“ in Halle an diese Befreiung an. Auch der 3. Bundesfrauenkongress im September 2025 in Dessau eröffnete mit dem Thema „Dialog der Generationen“ eine transgenerationale Dimension der Aufarbeitung von Repression.

Jugendhäuser und Heime
Auch dem Leid der Kinder und Jugendlichen widmete sich die UOKG, beispielsweise beim Kongress „Jugendhäuser in der DDR. Geschichte. Insassen. Folgen.“ im Oktober 2023 im Augustinerkloster Erfurt. Hierbei wurde offenbart, wie tausende junger Menschen oftmals schutzlos Ausbeutung und Gewaltexzessen ausgeliefert waren – ein Bereich der wissenschaftlichen Forschung, der bis dato extrem vernachlässigt worden war.

Mahnmal für die Opfer des Kommunismus
Ein herausragendes politisches Ziel, für das die UOKG bis ins Jubiläumsjahr unerbittlich streitet, ist die Errichtung eines „Denkmals zur Mahnung und Erinnerung an die Opfer der kommunistischen Diktatur in Deutschland“ in Berlin. Die UOKG drängt darauf, den Opfern der kommunistischen Gewaltherrschaft in Deutschland einen angemessenen, würdevollen Gedenkort mitten im Herzen der Bundeshauptstadt zu widmen. Mit Erfolg: Der Bund hat im März 2026 den internationalen Wettbewerb für die Gestaltung des Denkmals eröffnet und mit fünf Millionen Euro ausgestattet. Entstehen soll das Mahnmal an prominenter Stelle im Spreebogenpark zwischen Bundeskanzleramt und Bundestag.

Fazit: Erinnerung als Daueraufgabe
35 Jahre UOKG sind eine Chronik des Widerstands gegen das Vergessen. Aus dem einfachen Zusammenschluss von Betroffenengruppen im Herbst 1990 ist ein vielbeachteter und professionell organisierter Dachverband geworden, der die Erinnerungskultur des wiedervereinigten Deutschlands elementar mitgestaltet und mit den Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft auf Augenhöhe agiert. Von entscheidenden Novellierungen in der Gesetzgebung über die Etablierung eines bundesweiten Härtefallfonds bis hin zur Beleuchtung schmerzhafter Tabuthemen hat die UOKG auf ihrem Terrain Meilensteine gesetzt.
In einer Zeit, in der sowohl die Erinnerung an die zweite deutsche Diktatur als auch die Zahl aktiver Zeitzeugen schwindet, kämpft die UOKG aktiv für die Aufarbeitung und die Rechte der Betroffenen. Auch zukünftig wird der Fokus auf bislang marginalisierte Opfergruppen gelenkt. 35 Jahre sind kein Schlussstrich, sondern nur ein Etappenziel im Auftrag, den Opfern ihre Würde zurückzugeben, die Freiheit und Menschenwürde aktiv zu verteidigen und die Demokratie wachsam zu halten.

Auf  unserer Webseite finden sie eine Vielzahl an Publikationen der Festakte, Kongresse und Tagungen der letzten Jahre, die Veröffentlichungen des Demokratieverlages sowie das Archiv der Zeitschrift „der stacheldraht“ zum Download. Zum 30. Jahrestag wurde außerdem ein Film produziert.

Aktionsstand zu Zwangsarbeit bei OTTO beim Campus-Kino 2025
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Einweihung der Gedenktafel an die Zwangsaussiedlungen in Dömitz
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Gedenkfeier für die Ofer des NKWD-Lagers in Toszek (Polen) 2025
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Die UOKG zu Gast im Bundestag 2025
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