Der Umzug in die ehemalige Stasi-Zentrale
Ein hochemotionaler Meilenstein für die UOKG war der Umzug der Bundesgeschäftsstelle. Im September 2013 bezog der Verband seine Räumlichkeiten an der historisch hochbrisanten Adresse des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR in der Normannenstraße. Die Symbolkraft dieses Umzugs lässt sich kaum überschätzen. An dem Ort, an dem der Überwachungsstaat einst systematische Repression, Zersetzung und Verhaftungen plante, haben nun die Überlebenden dieser Gewalt das Wort. Auf dem heutigen „Campus für Demokratie“ bündelt die UOKG nicht nur ihre Verwaltungsaufgaben, sondern betreibt auch ihre essentiellen Anlauf- und Beratungsstellen für politisch Verfolgte. Aus der einstigen Zentrale des Schreckens ist ein lebendiger Ort der Aufarbeitung und Hilfe geworden.
Das Tabu der Zwangsadoptionen
Eine der traumatischsten und am längsten verschwiegenen Repressionsmethoden der SED-Diktatur war der politisch motivierte Kindesentzug. Bereits 2010 etablierte die UOKG als erste Anlaufstation eine spezialisierte Beratungsstelle für Betroffene von Zwangsadoptionen, um bei der schweren Suche nach familiären Wurzeln unter den komplexen Vorgaben des Datenschutzes zu helfen. Den endgültigen öffentlichen und gesellschaftlichen Durchbruch erzielte die UOKG mit dem Kongress „Entrückte Biografien“ im November 2015 in der Gedenkstätte Berliner Mauer. Zum ersten Mal wurde breit und unmissverständlich dokumentiert, dass im realen Sozialismus systematische Zwangsadoptionen stattfanden.
Kongresse für marginalisierte Opfergruppen
Neben der direkten Betroffenenberatung etablierte die UOKG immer wieder bedeutende Kongresse, um dunkle und gesellschaftlich vergessene Aspekte der DDR-Geschichte ins grelle Licht der Öffentlichkeit zu ziehen.
Die Bundesfrauenkongresse
Frauen waren im Repressionssystem der DDR oft spezifischen Traumata ausgesetzt – so etwa im berüchtigten Frauenzuchthaus Hoheneck. Um diesen Schicksalen Raum zu geben, organisierte die UOKG mehrere eindrucksvolle Bundeskongresse politisch verfolgter Frauen der SBZ/DDR. Der erste Bundesfrauenkongress fand 2021 sehr bewusst in Stollberg am Rande des damaligen Gefängnisses Hoheneck statt. Hier begannen Frauen nach 30 Jahren des Schweigens erstmals öffentlich auf Podien über Inhaftierung, Ohnmacht und Zwangsarbeit zu sprechen.
Im Oktober 2023 knüpfte der 2. Bundesfrauenkongress unter dem Titel „Verronnene Zeit – Aufklärung, Aufarbeitung, Netzwerke“ in Halle an diese Befreiung an. Auch der 3. Bundesfrauenkongress im September 2025 in Dessau eröffnete mit dem Thema „Dialog der Generationen“ eine transgenerationale Dimension der Aufarbeitung von Repression.
Jugendhäuser und Heime
Auch dem Leid der Kinder und Jugendlichen widmete sich die UOKG, beispielsweise beim Kongress „Jugendhäuser in der DDR. Geschichte. Insassen. Folgen.“ im Oktober 2023 im Augustinerkloster Erfurt. Hierbei wurde offenbart, wie tausende junger Menschen oftmals schutzlos Ausbeutung und Gewaltexzessen ausgeliefert waren – ein Bereich der wissenschaftlichen Forschung, der bis dato extrem vernachlässigt worden war.
Mahnmal für die Opfer des Kommunismus
Ein herausragendes politisches Ziel, für das die UOKG bis ins Jubiläumsjahr unerbittlich streitet, ist die Errichtung eines „Denkmals zur Mahnung und Erinnerung an die Opfer der kommunistischen Diktatur in Deutschland“ in Berlin. Die UOKG drängt darauf, den Opfern der kommunistischen Gewaltherrschaft in Deutschland einen angemessenen, würdevollen Gedenkort mitten im Herzen der Bundeshauptstadt zu widmen. Mit Erfolg: Der Bund hat im März 2026 den internationalen Wettbewerb für die Gestaltung des Denkmals eröffnet und mit fünf Millionen Euro ausgestattet. Entstehen soll das Mahnmal an prominenter Stelle im Spreebogenpark zwischen Bundeskanzleramt und Bundestag.
Fazit: Erinnerung als Daueraufgabe
35 Jahre UOKG sind eine Chronik des Widerstands gegen das Vergessen. Aus dem einfachen Zusammenschluss von Betroffenengruppen im Herbst 1990 ist ein vielbeachteter und professionell organisierter Dachverband geworden, der die Erinnerungskultur des wiedervereinigten Deutschlands elementar mitgestaltet und mit den Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft auf Augenhöhe agiert. Von entscheidenden Novellierungen in der Gesetzgebung über die Etablierung eines bundesweiten Härtefallfonds bis hin zur Beleuchtung schmerzhafter Tabuthemen hat die UOKG auf ihrem Terrain Meilensteine gesetzt.
In einer Zeit, in der sowohl die Erinnerung an die zweite deutsche Diktatur als auch die Zahl aktiver Zeitzeugen schwindet, kämpft die UOKG aktiv für die Aufarbeitung und die Rechte der Betroffenen. Auch zukünftig wird der Fokus auf bislang marginalisierte Opfergruppen gelenkt. 35 Jahre sind kein Schlussstrich, sondern nur ein Etappenziel im Auftrag, den Opfern ihre Würde zurückzugeben, die Freiheit und Menschenwürde aktiv zu verteidigen und die Demokratie wachsam zu halten.
Auf unserer Webseite finden sie eine Vielzahl an Publikationen der Festakte, Kongresse und Tagungen der letzten Jahre, die Veröffentlichungen des Demokratieverlages sowie das Archiv der Zeitschrift „der stacheldraht“ zum Download. Zum 30. Jahrestag wurde außerdem ein Film produziert.