35 Jahre UOKG
Chronik der UOKG
Chronik 1990-99

1990 | Erste Schritte nach der Wende
Gerhard Finn sucht erstmals ehemalige Insassen von NKWD-Speziallagern in der DDR auf. Erste Initiativen gründen sich, die zum Teil heute noch heute existieren.

September 1990 | Erstes Treffen politischer Häftlinge
Ein erstes Treffen zur Vorbereitung einer gemeinsamen Interessenvertretung von VertreterInnen einiger Opferverbände politischer Häftlinge findet im rheinischen Königswinter statt – die Idee eines Dachverbandes entsteht.

Oktober 1991 | Gründungsversammlung der UOKG
Sieben Opferverbände schließen sich in Berlin offiziell zur Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft e. V. – UOKG zusammen. Lothar Brauer wird zum 1. Bundesvorsitzenden gewählt und prägt die Anfangsphase des Vereins.

Dezember 1991 | Einflussnahme auf das SED-UnBerG
Die UOKG formuliert erstmals konkrete juristische Forderungen an die Bundespolitik. Ziel ist es, das geplante 1. SED-Unrechtsbereinigungsgesetz maßgeblich im Sinne der Betroffenen mitzugestalten.

Januar 1992 | Öffnung der Stasi-Akten
Mit der Gründung der „Gauck-Behörde“ (später BStU) wird die Akteneinsicht möglich. Die UOKG begleitet von Beginn an unzählige Betroffene bei diesem oft hochgradig retraumatisierenden Prozess.

März 1992 | Roland Bude wird 2. Bundesvorsitzender
Nach dem Rücktritt von Lothar Brauer übernimmt Roland Bude, der selbst fünf Jahre im sowjetischen GULag Workuta inhaftiert war, als Bundesvorsitzender die Führung und stärkt die Authentizität des Verbandes.

November 1992 | 1. SED-Unrechtsbereinigungsgesetz
Das Gesetz zur strafrechtlichen Rehabilitierung tritt in Kraft. Die UOKG hat den Entwurf kritisch-konstruktiv begleitet und sorgt dafür, dass politisch motivierte Urteile der DDR-Justiz aufgehoben werden können.

März 1993 | Erste Tagung zu Haftfolgeschäden
Die UOKG rückt ein zentrales Tabuthema in den Fokus: Die dauerhaften physischen und psychischen Zerstörungen durch die Haftbedingungen. Dieses Thema wird den Verband dauerhaft begleiten.

Mai 1994 | Erstausgabe „der stacheldraht“
Das verbandseigene Magazin „der stacheldraht“ erscheint zum ersten Mal. Es entwickelt sich schnell zum unverzichtbaren Sprachrohr, zur authentischen Informationsquelle und zur publizistischen Heimat für tausende Verfolgte der SBZ- und DDR-Diktatur.

Juni 1994 | 2. SED-Unrechtsbereinigungsgesetz
Das Gesetz zur verwaltungsrechtlichen und beruflichen Rehabilitierung wird verabschiedet. Es soll jenen helfen, die in der DDR aus politischen Gründen in ihrer Karriere blockiert oder degradiert wurden.

November 1994 | Ein neuer Vorsitzender
Gerhard Finn, ab 1945 für drei Jahre im Speziallager Buchenwald inhaftiert, wird 3. Vorsitzender der UOKG. Er initiiert die Broschüre „Mauern – Gitter – Stacheldraht“, die die gleichnamige Wanderausstellung der UOKG begleitet.

Februar 1995 | Erstes Aufarbeitungs-Tribunal
Die UOKG veranstaltet ein Tribunal zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, um öffentlich Zeugnis über das erlittene Unrecht abzulegen und die juristische Verfolgung der Täter anzumahnen.

November 1996 | Fachtagung zur Zwangsarbeit
Bereits früh thematisiert die UOKG die systematische Ausbeutung politischer Häftlinge im DDR-Strafvollzug – ein Thema, das später internationale Dimensionen annehmen wird.

August 1999 | 3. SED-Unrechtsbereinigungsgesetz
Mit dem dritten Gesetz werden verbliebene rechtliche Lücken geschlossen, unter anderem durch Anpassungen bei den Ausgleichsleistungen.

März 2001 | Strategische Öffnung der UOKG
Unter Horst Schüler öffnet sich der Dachverband auch programmatisch: Neben den „klassischen“ politischen Häftlingen vertritt die UOKG nun auch verstärkt marginalisierte Opfergruppen wie Zwangsausgesiedelte, Betroffene der Heimerziehung und Zwangsadoptierte.

Januar 2002 | Horst Schüler wird 4. Bundesvorsitzender
Der Journalist und Workuta-Überlebende Horst Schüler übernimmt als Bundesvorsitzender die Leitung. Er wird die UOKG bis 2007 maßgeblich professionalisieren.

Mai 2003 | Professionalisierung der Geschäftsstelle
Die ständige Geschäftsstelle in Berlin wird personell und strukturell gefestigt, um dem wachsenden Beratungsbedarf und den komplexen politischen Verhandlungen gerecht zu werden.

Dezember 2003 | Verlängerung der Antragsfristen
Ein elementarer Erfolg: Die UOKG verhindert durch massiven politischen Druck das Auslaufen der Rehabilitierungsfristen und sichert so späten Antragstellern ihr Recht.

November 2004 | Tagung über die Folgen des Kommunismus
Im Berliner Rathaus findet der internationaler Kongress „Der Kommunismus und seine Folgen in Deutschland und Osteuropa“ statt. Passend zum 15. Jahrestag des Mauerfalls bietet die Veranstaltung eine Plattform zur Aufarbeitung der Repressionsgeschichte des SED-Regimes und der Transformationsprozesse im östlichen Europa.

März 2006 | Netzwerk mit den Landesbeauftragten
Die UOKG institutionalisiert ihre enge Zusammenarbeit mit den Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Gemeinsam werden fortan politische Initiativen auf Bundesrats- und Bundestagsebene gebündelt.

August 2006 | Tagung „Kirche im Sozialismus“
Anlässlich des 30. Todestages von Pfarrer Brüsewitz lädt die UOKG zur kritischen Diskussion über die Rolle der evangelischen Kirche in den 1970er Jahren, die staatlichen Unterdrückungsmaßnahmen sowie die Wirkung des „Fanals von Zeitz“ auf die Opposition in der DDR.

Juli 2007 | Rainer Wagner wird neuer Bundesvorsitzender
Rainer Wagner übernimmt das Amt des Bundesvorsitzenden von Horst Schüler, der fortan Ehrenvorsitzender ist. Mit ihm rücken Spezialheime und die Erforschung politischer Zwangsarbeit in den Fokus.

August 2007 | Einführung der SED-Opferrente
Ein direkter Erfolg der jahrelangen Arbeit: Nach jahrelangem, zähem Ringen mit der UOKG beschließt der Bundestag die „Besondere Zuwendung für Haftopfer“. Sie soll ehemals Inhaftierte vor der Altersarmut schützen.

2008 | Gründung der „Initiative Mahnmal“
Die UOKG bildet gemeinsam mit Betroffenen und Unterstützern eine Initiativgruppe, die sich für die Errichtung eines Mahnmals für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft in Deutschland im politischen Zentrum Berlins einsetzt.

Januar 2008 | Heimkinder im Fokus
Die UOKG intensiviert ihre öffentliche Forderung nach Rehabilitierung und Entschädigung von ehemaligen Heimkindern in der DDR.

November 2008 | Tagung zum Thema „Zersetzung“
Gemeinsam mit der Stasi-Unterlagen-Behörde (BStU) veranstaltet die UOKG eine große Tagung zu den perfiden psychologischen Zersetzungsmethoden des MfS und deren Langzeitfolgen.

Oktober 2009 | Tagung zur Anerkennung von Gesundheitsschäden
Zum Thema „Die Anerkennung haft- und verfolgungsbedingter Gesundheitsschäden“ in Berlin bietet die UKG politischen Entscheidungsträgern, Behördenvertretern, Psychologen und Betroffenen ein gemeinsames Podium für eine kritische Situationsbeschreibung und Erörterung von Lösungsmöglichkeiten.

Chronik 2000-09
Chronik 2010-19

März 2010 | Beratungsstelle für Zwangsadoptionen
Die UOKG richtet die bundesweit erste spezialisierte Anlauf- und Beratungsstelle für Betroffene von politisch motivierten Zwangsadoptionen ein.

September 2011 | Kongress zum Thema Zwangsaussiedlung
Der Kongress „Zwangsausgesiedelte als Opfer von Mauer und deutscher Teilung“ lenkt den Blick auf die Folgen der staatlich verordneten Zwangsaussiedlungsaktionen entlang der innerdeutschen Grenze 1952 und 1961, die für über 11.000 Menschen einen abrupten Heimatverlust unter traumatisierenden Umständen bedeuteten.

Mai 2012 | IKEA-Gutachten zur Zwangsarbeit
Die UOKG fordert Entschädigungen für in DDR-Haft geleistete Zwangsarbeit politischer Häftlinge. Nach internen Recherchen und öffentlichem Druck veröffentlicht IKEA ein unabhängiges Gutachten, in dem der Konzern eingestehen muss, von solcher Zwangsarbeit profitiert zu haben und kündigt eine prinzipielle finanzielle Beteiligung an Hilfsprojekten für ehemalige Zwangsarbeiter an.

September 2013 | Umzug in die ehemalige Stasi-Zentrale
Ein Akt höchster Symbolkraft: Die UOKG verlegt ihre Geschäftsstelle in die Ruschestraße 103 in Berlin Lichtenberg – die ehemalige Kommandozentrale von Stasi-Chef Erich Mielke.

Oktober 2014 | Einstellung wissenschaftlicher Mitarbeiter
Um historische und juristische Gutachten selbst anfertigen zu können, stellt die UOKG erstmals hauptamtliche wissenschaftliche Mitarbeiter ein. In der Folge wird der Verband zunehmend auch als Forschungsinstitut wahrgenommen.

Dezember 2014 | Mahnmal für die Opfer des Kommunismus
Die UOKG bestimmt mit der Veröffentlichung der Broschüre „Erinnern, Gedenken und Mahnen“ den Diskurs zur Errichtung eines Mahnmals für die Opfer des Kommunismus in Berlin.

Oktober 2015 | Dieter Dombrowski wird Bundesvorsitzender
Der CDU-Politiker und ehemalige politische Häftling Dieter Dombrowski wird zum 6. Bundesvorsitzenden gewählt und verleiht der UOKG noch größeres bundespolitisches Gewicht.

Oktober 2015 | Kongress zu den Sowjetischen Speziallagern
Der Kongress „Sowjetische Spezial- und Internierungslager in Deutschland. 70 Jahre danach“ in Berlin rückt das Schicksal der über 150.000 Betroffenen des NKWD-Terrors der Nachkriegszeit in den wissenschaftlichen und öffentlichen Fokus.

November 2015 | Kongress zum Thema Zwangsadoptionen
In der Gedenkstätte Berliner Mauer findet der erste große Kongress mit dem Thema „Entrückte Biografien – Politisch angeordneter Kindesentzug im Unrechtsstaat DDR“ statt. Die Veranstaltung erfährt ein enormes mediales Echo und zwingt das Thema dauerhaft in den gesellschaftlichen Diskurs.

März 2016 | Kooperation mit der Havemann-Gesellschaft
Die Zusammenarbeit mit der Robert-Havemann-Gesellschaft auf dem „Campus für Demokratie“ wird intensiviert, um Ausstellungen und Archive zur DDR-Opposition gemeinsam einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

April 2016 | Zwangsarbeit bei der Reichsbahn
Die Deutsche Bahn präsentiert eine Untersuchung zur Zwangsarbeit, die belegt, wie zwischen 1950 und 1989 bei der Deutschen Reichsbahn politische Häftlinge und Strafgefangene systematisch ausgebeutet wurden.

September 2017 | Tagung zum Stand der Aufarbeitung
Die Tagung „Kleine Brötchen oder großer Wurf. Wo stehen wir bei der Aufarbeitung von SED-Unrecht?“ in Berlin versucht sich an einem Résumé und zeigt gleichzeitig, wie vielfältig das aufzuarbeitende erlittene Unrecht der SBZ/DDR-Diktatur ist.

November 2018 | Kongress zum Thema „Vergessene Kinder“
Die UOKG wendet sich den Schicksalen der Nachkommen politisch Verfolgter zu, die unter den generationsübergreifenden Folgen von Verfolgung, Inhaftierung und Zwangstrennung leiden. Wissenschaftler und Zeitzeugen widmen sich diesem wichtigen Thema, dessen Ausmaße bis dato kaum abzuschätzen sind.

November 2019 | Endgültige Entfristung der SED-UnBerG
Nach fast drei Jahrzehnten Kampf feiert die UOKG einen großen juristischen Erfolg: Der Bundestag streicht die Antragsfristen der SED-Unrechtsbereinigungsgesetze komplett. Betroffene können nun zeitlich unbegrenzt Rehabilitierung beantragen.

September 2020 | Tribunal zur „Zwangsarbeit in politischer DDR-Haft“
Die UOKG veranstaltet im MRZ Cottbus ein vielbeachtetes Tribunal. Eine international besetzte Jury aus Politikern, Wissenschaftlern und Menschenrechtsaktivisten fällt nach Anhörung von vierzehn Zeitzeugen das Urteil: Die Zwangsarbeit in politischer DDR-Haft war real, menschenverachtend und völkerrechtswidrig.

Juni 2021 | Wahl der SED-Opferbeauftragten
Evelyn Zupke wird zur ersten SED-Opferbeauftragten des Bundestages gewählt. Damit wird eine jahrzehntealte Forderung der UOKG nach einer parlamentarischen Vertretung auf Bundesebene erfüllt.

Juni 2021 | Sicherung des Stasi-Unterlagen-Archivs
Die BStU wird offiziell in das Bundesarchiv überführt. Die UOKG begleitet diesen Prozess kritisch, um sicherzustellen, dass das Akteneinsichtsrecht der Opfer unangetastet bleibt.

Oktober 2021 | 1. Bundesfrauenkongress in Stollberg
Am historischen Ort des Frauengefängnisses Hoheneck organisiert die UOKG den ersten „Bundeskongress politisch verfolgter Frauen der SBZ/DDR“. Ehemals Betroffene brechen nach über 30 Jahren das Schweigen und sprechen hier öffentlich über geschlechtsspezifische Repressionen und Traumata.

Herbst 2021 | Forschungsprojekt Zwangsadoption
Ein von der UOKG unterstütztes und interdisziplinär besetztes Forschungsprojekt zu politisch motivierten Zwangsadoptionen in der SBZ/DDR in Zusammenarbeit mit dem DIH und weiteren Verbundpartnern wird gestartet.

März 2022 | Initiative zur Beweislastumkehr
Gemeinsam mit der SED-Opferbeauftragten startet die UOKG eine großangelegte Kampagne. Ziel: Die zermürbende Gutachterpraxis bei gesundheitlichen Haftfolgeschäden muss durch eine gesetzliche Beweiserleichterung ersetzt werden.

April 2022 | Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze
Anlässlich des 70. Jahrestages der Zwangsaussiedlungen im Jahr 1952 veranstaltet die UOKG zusammen mit der Landesbeauftragten Sachsen-Anhalt die hybride Tagung „Geraubte Heimat!“ in Magdeburg, deren Programm sich den Erfahrungen der Betroffenen sowie der Forschung und Traumabewältigung widmet.

Oktober 2023 | Kongress zu Jugendhäusern in der DDR
Im Augustinerkloster Erfurt leistet die UOKG Pionierarbeit und widmet einen großen Kongress dem Schicksal und den strukturellen Misshandlungen von Insassen in DDR-Jugendhäusern und Spezialkinderheimen.

Oktober 2023 | 2. Kongress politisch verfolgter Frauen der SBZ/DDR
In Halle/Saale führt der Bundesfrauenkongress „Verronnene Zeit. Aufklärung, Aufarbeitung, Netzwerke“ erneut Zeitzeugen und Zeitzeuginnen, Menschen aus Politik und Forschung sowie Betroffene transgenerational zusammen.

Oktober 2024 | IKEA zahlt in Härtefallfonds ein
Ein historischer Durchbruch: Als direktes Resultat jahrelanger Verhandlungen unterzeichnet IKEA eine Absichtserklärung und verpflichtet sich, 6 Millionen Euro in einen bundesweiten Härtefallfonds für DDR-Opfer einzuzahlen.

Januar 2025 | Gesetzliche Beweiserleichterung
Ein weiterer juristischer Meilenstein: Der Bundestag verabschiedet weitreichende Beweiserleichterungen bei gesundheitlichen Folgeschäden. Zugleich wird die Dynamisierung der Opferrente gesetzlich verankert.

April 2025 | Buch über das NKWD-Lager in Tost
Der Demokratieverlag der UOKG veröffentlicht zusammen mit Sybille Krägel das Standardwerk über die Geschichte des NKWD-Lagers Tost (Polen), in dem 1945 etwa 3.300 Menschen starben, erstmals in deutscher Sprache. Die Bemühungen zur endgültigen Sicherung der Massengräber in Toszek dauern an.

November 2025 | Bundesweiter Härtefallfonds startet
Die Stiftung für ehemalige politisch Verfolgte setzt die Richtlinien für den neuen bundesweiten Härtefallfonds in Kraft. Die Hilfen richten sich gezielt an Opfer der SED-Diktatur in ganz Deutschland, die sich in einer wirtschaftlichen Notlage befinden.

März 2026 | Bund eröffnet Mahnmal-Wettbewerb
Mehr als 36 Jahre nach Ende der SED-Diktatur soll endlich ein Ort geschaffen werden, der das erlittene Unrecht sichtbar macht. Für Wettbewerb und Realisierung des „Denkmals zur Mahnung und Erinnerung an die Opfer der kommunistischen Diktatur in Deutschland“ stellt der Bund insgesamt fünf Millionen Euro zur Verfügung.

To be continued…

Chronik 2020-29