20. Okt. Der Beweis ist erbracht: Präsentation der Ergebnisse zur „Lieferkette VEB Pentacon Dresden“
In der Abschlusspräsentation des Projekts „Lieferkette Kombinat VEB Pentacon Dresden“ wurden am 18. September 2026 den Mittelgebern, Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Aufarbeitungsinitiativen, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen des ehemaligen VEB Pentacon Dresden sowie der ehemaligen StVE Cottbus die Forschungsergebnisse vorgestellt. Die Veranstaltung fand in den Technischen Sammlungen Dresden, dem ehemaligen Sitz des VEB Pentacon, statt. Dieses zweite Projekt des Dresdner Hannah-Arendt-Instituts zum selben Thema erfolgte in Kooperation mit der UOKG und des MRZ Cottbus unter Beteiligung von Dr. Peter Keup und wurde gefördert durch das Programm „Sehnsucht nach Freiheit“ des Zentrums für Kultur und Geschichte e.V.
Am Vormittag fand die Präsentation der Forschungsergebnisse hinsichtlich Haftzwangsarbeit in der StVE Cottbus und deren Bedeutung für den Kamera-Export in die Bundesrepublik zunächst im Rahmen eines internen Fachgesprächs vor geladenen Gästen statt. Die detaillierte Rekonstruktion der Lieferkette ergab, dass Cottbus spätestens ab 1971 als zentraler Vorfertigungsbetrieb der Druckgussteile der Praktica-L-Reihe fungierte. Was aus der Aktenrecherche nicht herauszuarbeiten war, konnte im Rahmen qualitativer Interviews nun vollständig nachgewiesen werden.
Die Forschenden sprachen dazu mit ehemaligen Vertretern der Betriebsleitung, Beschäftigten des VEB Pentacon in Dresden sowie Zivilmeistern und Häftlingen der StVE Cottbus. Über die Rekonstruktion der Lieferkette hinaus konnte belegt werden, dass der Einsatz der Haftzwangsarbeit allen Befragtengruppen bekannt war. Im Anschluss an die Präsentation vermittelte ein fünfzehnminütiger Zusammenschnitt von Interviewsequenzen die Bedeutung der Projektergebnisse als Grundlage für die Kommunikation mit bundesdeutschen Firmen, die von Haftzwangsarbeit in der DDR profitierten.
Diese Unternehmen, wie z.B. die OTTO Group, weisen bis heute jegliche Mitverantwortung ab. Im Austauschgespräch über die Ergebnisse betonten die Anwesenden die Relevanz der Ergebnisse für die Arbeit der Opferbeauftragten beim Deutschen Bundestag Evelyn Zupke sowie der UOKG im Interesse Betroffener von Haftzwangsarbeit gegenüber diesen Unternehmen.
Am Nachmittag folgte mit der Präsentation und Erläuterung der Forschungsergebnisse, einem moderierten Podium und einer durch Mediatoren begleiteten Publikumsdiskussion der öffentliche Teil. Grafiken der rekonstruierten Lieferketten zeigten, wie die Kameraproduktion organisiert war, an welchen Orten einzelne Teile gefertigt wurden und welche Betriebe und Arbeitskräfte beteiligt waren. Zitate aus den Zeitzeugengesprächen vermittelten nicht nur die persönlichen Erfahrungen Betroffener, sie erhärteten vor allem die Lieferkette.
In der anschließenden Podiumsdiskussion zeigte sich, dass vor allem die Erinnerungen der Stammbetrieb-„Pentaconer“, die in Dresden gearbeitet haben, entscheidende Hinweise zur Klärung der Lieferkette aus Haftzwangsarbeit in die Bundesrepublik geben konnten, obwohl sie bis 1990 weder die StVE Cottbus als Produktionsstandort, noch die seit 2011 am gleichen Ort existierende Gedenkstätte jemals persönlich von innen gesehen haben.
Das große öffentliche Interesse an den Projektergebnissen zeigte sich auch im dritten Teil der Veranstaltung. Zahlreiche Besucher waren gekommen und beteiligten sich intensiv am Austausch. Mehrere ehemalige Häftlinge schilderten ihre teils traumatischen Erfahrungen mit Haftzwangsarbeit in politischer Haft und bestätigten die Ergebnisse der Studie, andere Anwesende äußerten Bedenken, reflektierten aber auch eigene Erinnerungen.
Für das Publikum wie für die Forschenden im Projekt bot dieser Dialog wertvolle Aussagen und ergänzende Blickwinkel auf die Ergebnisse. Das produktive Gespräch mit den Ex-Pentaconern nahm Dr. Peter Keup zum Anlass, sie nach Cottbus einzuladen, um mit ihnen und ehemaligen Cottbuser Häftlingen den Austausch und die Erkenntnisse in der ehemaligen StVE zu vertiefen.
Den Forschungsbericht finden Sie als PDF am Ende dieser Seite zum Download.
Foto: Originale Kamerateile und Werkzeuge, Austellung MRZ Cottbus. A. Mühlbauer