Aus dem „stacheldraht“: Ausstellung zum Gedenken an Fred Woitke

Im August 2026 wurde im Berliner Stasi-Museum die Sonderausstellung über Fred Woitke feierlich eröffnet. Die Wanderausstellung, die zuvor bereits an Stationen in Helmstedt und in der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn zu sehen war, widmet sich dem bewegenden Leben und dem gewaltsamen Tod des jungen Familienvaters an der innerdeutschen Grenze.

Am 21. April 1973 versuchte Woitke aus der DDR zu fliehen. Mit einem LKW wollte der 23-jährige Zimmermann die DDR-Grenze an der Grenzübergangsstelle Marienborn durchbrechen. Sein Fluchtfahrzeug überschlug sich an der Straßenrollsperre, woraufhin vier Grenzer das Feuer auf den Fliehenden eröffneten. Woitke verstarb wenige Stunden später im Krankenhaus. Initiiert und privat finanziert wurde das Projekt von Michael Teupel. Er war selbst von der DDR-Diktatur betroffen und arbeitet seit Jahren intensiv an der Aufarbeitung mit.

Die Wahl des Ausstellungsortes trägt enorme symbolische Kraft: In genau jenem Gebäudekomplex, in dem einst Erich Mielke sein Büro hatte und über Schicksale, Drangsalierungen sowie Mordaufträge entschieden wurde, wird nun ein Ort der Aufklärung geschaffen. Zentrales Exponat der Ausstellung ist unter anderem der durchschossene Sozialversicherungsausweis von Fred Woitke. Das Einschussloch direkt im DDR-Staatswappen steht als erschütterndes Zeugnis für die unbarmherzige Brutalität des Regimes.

Ergänzt wird die Schau durch Dokumente aus Stasi-Akten sowie einem MDR-Filmbeitrag, den Besucher direkt vor Ort per QR-Code abrufen können. Mit der Präsentation soll den Opfern des SED-Regimes ihre Würde und ihr Name in der Erinnerungskultur zurückgegeben werden. Zugleich richtet sich das Projekt entschlossen gegen jegliche Form der DDR-Nostalgie.

Diese eindringliche und äußerst sehenswerte Ausstellung ist bis Januar 2027 im Berliner Stasi-Museum zu sehen. Danach setzt sie ihren internationalen Weg fort: Nach der Station in Berlin wandert die Schau weiter nach Luxemburg, bevor für den 3. Oktober 2027 eine Präsentation in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul geplant ist.

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📅 täglich bis  Januar 2027
📍 Stasi-Museum, Normannenstraße 20, Haus 1, 10365 Berlin
🎟️ Eintritt ab 9 €
ℹ️ Öffnungszeiten und weitere Infos unter www.stasimuseum.de

Text: André Rohloff
Collage: Ausweise, die Fred Woitke beim Fluchtversuch bei sich trug. Archive der Staatssicherheit und des Bundesarchivs, VOS, privat | Jürgen Runo