Nachruf auf Margot Jann * 1926 † 2026

Eine der wichtigsten Stimmen der Erinnerung an die sowjetischen Speziallager und an das Frauengefängnis Hoheneck ist verstummt. Margot Jann ist am 24. Juli 2026 im Alter von 99 Jahren gestorben.

Geboren 1926 in Großröhrsdorf, wurde sie im Herbst 1945 gemeinsam mit Freunden verhaftet. Der Vorwurf: Die Gründung einer Widerstandsgruppe und Planung staatsfeindlicher Aktivitäten. Das Vergehen: Die Herstellung eines kleinen selbstgefertigten Abzeichens als Symbol für Hoffnung und Zusammenhalt.

In einem Schauprozess wurden die fünf jungen Menschen zum Tode verurteilt. Margot Jann wurde später zu einer langjährigen Lagerhaft begnadigt und musste fast fünf Jahre in sowjetischen Speziallagern und anschließend im Frauengefängnis Hoheneck verbringen. Was andere Menschen gebrochen hätte, war für Margot Jann Ansporn. Sie suchte nach 1989 den Kontakt zu ehemaligen Haftkameradinnen, engagierte sich später im Kreis der ehemaligen Hoheneckerinnen und wurde dessen Vorsitzende – einig dem Ziel folgend, das Leid der aus politischen Gründen verfolgten Frauen fest im kollektiven Gedächtnis zu verankern. Sie setzte sich beharrlich und erfolgreich für die Entstehung einer Gedenkstätte im ehemaligen Zuchthaus Hoheneck ein.

Die langjährige Weggefährtin Sybille Krägel über Margot Jann:
„Margot war etwas sehr Besonderes. Sie hat viel bewirkt in aller Bescheidenheit. Und dabei hat sie gern ihre eigenen Leistungen klein geredet aber Anderer Leistung sehr bewundert. Man musste ihr Anerkennung richtig aufdrängen. Sie hat viel durchgemacht, ohne zu klagen und betonte sogar, dass es Andere viel Schlimmer getroffen hätte.“

Für Nancy Aris, Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, war Margot Lann „keine laute Persönlichkeit, sondern agierte zurückhaltend, freundlich und bescheiden – aber mit einer beeindruckenden Ausdauer. Wer ihr begegnete, spürte schnell, wie wichtig ihr die Erinnerung war.“

Mit Margot Jann verlieren wir eine wichtige Zeitzeugin und Mahnerin gegen das Vergessen. Sie hat den Staffelstab weitergereicht. Wir werden ihn mit Demut aufgreifen und an ihren Zielen weiterarbeiten. Margot Jann behalten wir mit Dankbarkeit und Respekt in Erinnerung. Unsere Gedanken sind bei ihrer Familie und engen Weggefährten.

Foto: Margot Jann. Archiv LASD Sachsen, Ralf Marten