SED-Opferbeauftragte legt Sonderbericht zur besseren Unterstützung der Zwangsdoping-Opfer vor

Die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke hat dem Deutschen Bundestag einen Sonderbericht zum gesetzgeberischen Handlungsbedarf zur besseren Unterstützung der Opfer des systematischen Zwangsdopings in der ehemaligen DDR vorgelegt. Den Bericht hatte der Deutsche Bundestag mit einem Beschluss bei der SED-Opferbeauftragten angefordert, um ihn als Grundlage für eine Entscheidung zur besseren Unterstützung der Opfer des DDR-Zwangsdopings zu nutzen.

Zurzeit existiert für die Dopingopfer kein geeignetes Instrument der Unterstützung, obwohl die Betroffenen dringend auf Hilfe angewiesen sind, gerade vor dem Hintergrund der weitreichenden gesundheitlichen Folgen des DDR-Zwangsdopings.

Evelyn Zupke: „Unser Blick fällt viel zu häufig nur auf die Olympiasieger. Das DDR-Sportsystem hat jedoch nicht nur Medaillen und Weltmeister hervorgebracht. Das DDR-Sportsystem ist ebenso verantwortlich für tausende Menschen, die bis heute an den gravierenden körperlichen und seelischen Folgen des Zwangsdopings leiden. Hier müssen wir dringend geeignete Instrumente zur dauerhaften Unterstützung schaffen.“

In ihrem Sonderbericht stellt die SED-Opferbeauftragte den aktuellen Stand der Forschung dar, benennt die Defizite im bestehenden Unterstützungssystem und zeigt konkrete Lösungsansätze auf.

Evelyn Zupke: „Wir brauchen dringend eine gesetzliche Regelung, die die Opfer des DDR-Zwangsdopings angemessen unterstützt. Dabei gibt es für den Gesetzgeber ganz konkrete Lösungswege: Entweder durch die Erweiterung der bestehenden Gesetze oder durch eine neue, auf die Dopingopfer zugeschnittene, gesetzliche Regelung. Wichtig ist vor allem eine zeitnahe und praktikable Lösung im Sinne der Betroffenen.“

Die Opferbeauftragte spricht sich dafür aus, im Rahmen des anstehenden Gesetzgebungsprozesses insbesondere die Ergebnisse der Forschung hinreichend zu berücksichtigen.

Evelyn Zupke: „Wir verfügen gegenwärtig über umfassende Forschungsergebnisse, die uns aufzeigen, wie weitreichend die körperlichen und physischen Folgen des Zwangsdopings sind. Auf diese Forschungsergebnisse kann der Gesetzgeber aufbauen.“

Auch Sicht der Opferbeauftragten ist die Auseinandersetzung mit den Folgen des DDR-Staatsdopings nicht nur ein Thema für die Betroffenen und die Historiker. Es ist ebenso wichtig für das Selbstverständnis Deutschlands als begeisterte und erfolgreiche Sportnation.

Evelyn Zupke: „Ende des vergangenen Jahres wurde der Weg geebnet für eine Bewerbung Deutschlands um die Olympischen Spiele. Mit einer solchen Bewerbung zeigen wir auch international, was Leistungssport in einem demokratischen Land bedeutet. Zum Leistungssport in der Demokratie gehört ganz wesentlich auch dazu, dass wir unsere Vergangenheit aufarbeiten und den Opfern helfen. Hiervon profitieren nicht nur die Betroffenen. Vielmehr leistet dieser Weg auch einen wichtigen Beitrag zur Arbeit am Fundament eines werteorientierten Leistungssports in unserer heutigen Demokratie.“

Text: Niels Schwiderski, Leitung der Geschäftsstelle der SED-Opferbeauftragten

Foto: gemini S. Sachse