19. Sep. Mitbegründer der Ost-SPD und Politiker Martin Gutzeit verstorben
Wie die UOKG am 17. September erfuhr, verstarb der Mitbegründer der sozialdemokratischen Partei in der DDR und ehemalige Berliner Beauftragte für Stasi-Unterlagen Martin Gutzeit am 15. September 2026 in Berlin. Gutzeit war einer jener Akteure, die im Juli 1989 den Initiativaufruf zur Gründung der Sozialdemokratischen Partei in der DDR (SDP) verfassten.
„In der Zeit der friedlichen Revolution organisierten er und [Markus] Meckel das Gründungstreffen der SDP im Pfarrhaus von Schwante bei Berlin am 7. Oktober 1989, dem 40. Jahrestag der Gründung der DDR. Bei dieser Versammlung wurde er in den Vorstand der ersten Oppositionspartei in der DDR gewählt. Später wurde er ihr stellvertretender Geschäftsführer. In den folgenden Monaten nahm er an Treffen der Kontaktgruppe der Opposition teil, die im November 1989 den Zentralen Runden Tisch initiierten.
An diesem Diskussionsformat zwischen der bislang herrschenden SED, den vormaligen Blockparteien und staatsnahen Massenorganisationen sowie den neu entstandenen Gruppen der Bürgerrechts-, Friedens- und Umweltbewegung nahm Gutzeit ab dem 7. Dezember 1989 als einer der beiden Vertreter der SDP (neben Ibrahim Böhme) teil. Böhme wurde im Februar 1990 zum Vorsitzenden der SPD in der DDR gewählt und trat zum 1. April 1990 zurück, nachdem er als inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit enttarnt wurde.“ DIE ZEIT 2015
Von März bis Oktober 1990 war Gutzeit dann Mitglied der frei gewählten Volkskammer. Anschließend bis Dezember 1990 Mitglied des Deutschen Bundestages. Von 1993 bis 2017 war Gutzeit Berliner Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. Ab 1997 warnte er mit anderen Begründern der SDP vor Bündnissen mit der PDS. Zur 2009 gebildeten Brandenburger Koalition mit der Linkspartei (Kabinett Platzeck III) sagte er:
„Die Beteuerung der Linken, sie habe mit der Stasi gebrochen, drückt sich nicht in ihren Personalentscheidungen aus. Die Partei versteht sich auf die Kunst grober Tabubrüche. Sie will eine Spitzelkarriere als normalen Teil einer ostdeutschen Biografie salonfähig machen.“ (WELT 2009: Stasi-Spitzel drängen für Linke in die Parlamente)
Mit ihm verliert Berlin einen herausragenden Akteur der Friedlichen Revolution und der Aufarbeitung der SED-Diktatur, so der Berliner Aufarbeitungsbeauftragte Frank Ebert. Ebert würdigt Martin Gutzeit in einem Nachruf „als originellen Denker, mutigen Oppositionellen und weitsichtigen Streiter für die Aufarbeitung der SED-Diktatur“.
Dem schließt sich die Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft e.V. (UOKG) an. Unser herzliches Beileid der Familie im Namen der UOKG!
Im Rahmen des Gemeindegottesdienstes am kommenden Sonntag gedenkt der Konviktsverein mit einer Fürbitte an Martin Gutzeit. Der Gottesdienst steht unter dem Titel: „Versuch, in der Wahrheit zu leben“ (V. Havel). Die Kanzelrede hält Stephan Hilsberg, MdB a.D., langjähriges Gemeindeglied der Gemeinde am Weinberg und Begleiter von Martin Gutzeit. Er interpretiert Markus 6,34 mit Blick auf die aktuelle politische Situation, die Lage der Kirche und die Herausforderungen demokratischen Lebens. Die Gottesdienstgestaltung übernimmt Pfarrerin Ulrike Wohlrab.
📅 Sonntag, 20. September 2026 | 10 Uhr
📍Großer Saal, Borsigstraße 5, 10115 Berlin-Mitte
ℹ️ im Anschluss Brunch im Café
Foto: Martin Gutzeit (links) mit Ibrahim Böhme beim 6. Runden Tisch in Berlin, Januar 1990. Bundesarchiv, Bild 183-1990-0108-017, Peer Grimm, CC-BY-SA 3.0 de
