Einweihung der Gedenktafel für Hartmut Tautz im Burgenland

Am Grenzübergang Kittsee – Petržalka zwischen Österreich und der Slowakei ist am Mittwoch, 22. Juli 2026 eine Gedenktafel für Hartmut Tautz eingeweiht worden. Vor fast genau 40 Jahren, am 8. August 1986, verlor der damals 18-jährige DDR-Flüchtling an dieser Stelle beim Versuch, in den Westen zu gelangen, sein Leben. Tautz wollte in Freiheit Musik studieren und Klarinette spielen – ein Traum, der ihm in der DDR verwehrt wurde. Ohne jemanden einzuweihen, wagte er die Flucht. Nur 22 Meter vor dem rettenden österreichischen Staatsgebiet wurde er von Suchhunden aufgespürt und angefallen. Die tschechoslowakischen Grenzsoldaten verweigerten dem Schwerverletzten die dringend benötigte Erste Hilfe; er starb kurz darauf in einem Krankenhaus in Bratislava.

„Er träumte von Freiheit und verlor sein Leben“ – diese Inschrift ziert nun die neue Tafel, die sein Schicksal stellvertretend für die vielen Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft ins Gedächtnis ruft. Das Projekt ist eine enge Zusammenarbeit der UOKG mit dem früheren DDR-Bürger Alexander Heise und dem Buchautor Wolfgang Bachkönig, der die Geschichte des Eisernen Vorhangs aufarbeitet. Gefördert wurde das Gedenkprojekt von der Bundesstiftung Aufarbeitung, maßgeblichen Anteil an der Verwirklichung hatten jedoch auch die Erbengemeinschaft Heimpel, der Bürgermeister von Kittsee Johannes Hornek sowie zahlreiche private Spenderinnen und Spender. Unser Vorsitzende Dieter Dombrowski war bei der feierlichen Einweihung vor Ort anwesend, um dem Opfer Respekt zu erweisen.

Ebenfalls vort Ort war die SED-Opferbeauftragte des Deutschen Bundestages Evelyn Zupke, die betonte, wie wichtig es ist, der Diktaturgeschichte ein persönliches Gesicht zu geben:
„Hartmut Tautz ist insofern nochmal ein ganz besonderes Schicksal, weil er eben auch wirklich so ganz kurz vor der Grenze, 15 Sekunden auf dem Weg in die Freiheit, zu Tode gekommen ist, auf eine besonders brutale Art und Weise. Er wurde nicht nur angeschossen, sondern man hat ihn liegen lassen, die Hunde auf ihn gehetzt und er kam zu Tode. Und das ist natürlich etwas, was die Menschen nochmal ganz besonders berührt und nochmal ganz besonders die Grausamkeit und die Härte des kommunistischen Regimes einfach aufzeigt.“

Für den Mitinitiator Alexander Heise, dessen eigene Flucht 1986 scheiterte und der daraufhin eineinhalb Jahre in DDR-Haft saß, schloss sich ein Kreis. Er erklärte:
„Das ist für mich schon ein emotionaler Moment, weil ich hier an diesem Denkmal die letzten Jahre immer mal Blumen niedergelegt habe, weil Hartmut Tautz praktisch fast genauso alt ist wie ich, also fast auf den Tag. Und die Gründe und Motivationen sehr ähnlich waren. Und diese zeitliche Nähe zu meiner Festnahme und zu seinem Tod. Ich bin praktisch wenige Tage nach seinem Tod hier eingereist, auch über Bratislava, sah auch diese Lichter von Kittsee und habe mir auch selber gedacht: Da könnte man es auch versuchen. Und somit ist das für mich eine persönliche, direkte Verbindung zu Hartmut Tautz, obwohl ich ihn nicht gekannt habe.“

Die Tafel soll zudem als Mahnmal für die Gegenwart dienen. Der Bürgermeister von Kittsee Johannes Hornek (ÖVP) warnte:
„40 Jahre später, nachdem er gestorben ist, ist Europa wiederum in eine Richtung gedrängt worden, wo wir Grenzen wollen, wo wir den Ruf nach starken Männern wollen und wo die Masse der Leute nicht mehr selber denken will, sondern geleitet werden will. Das ist schlimm für mich.“

An der Einweihung nahmen auch Vertreter der BStA, der Deutschen Botschaft in Wien sowie Arpad Bella teil. Er war am 19. August 1989 diensthabender ungarische Grenzoffizier, als die österreisch-ungarische Grenze für das Paneuropäische Picknick einige Stunden offen war. Hunderte DDR-Bürger nutzen den günstigen Zeitpunkt und flüchteten damals in den Westen, ohne dass Bella und andere Soldaten eingriffen. Das völkerübergreifende Gedenken an das Schicksal von Hartmut Tautz zeigt ein mal mehr auf berührende Weise, wie teuer die Freiheit erkämpft wurde, die Europa heute verbindet.

Der ORF hat einen kurzen Beitrag zur Einweihung veröffentlicht.

Fotos: Dank an Team Zupke