23. Juli Bayerisch-tschechische Grenze in die „Grünes Band“ App aufgenommen
Das Grüne Band an der bayerisch-tschechischen Grenze erstreckt sich über 358 Kilometer. Der ehemalige Grenzraum verbindet heute bedeutende Natur- und Landschaftsräume mit vielschichtiger Zeitgeschichte. Während des Kalten Krieges trennten der Eiserne Vorhang und Sperranlagen die Menschen. Obwohl diese Anlagen nahezu vollständig verschwunden sind, bleiben die Folgen des Zweiten Weltkriegs, der Vertreibung und der jahrzehntelangen Abschottung sichtbar.
Zahlreiche Gedenkorte, Mahnmale und Wüstungen erinnern heute an die historischen Umbrüche der Region. Gleichzeitig entwickelte sich hier ein zusammenhängender Lebensraum für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Im südlichen Verlauf bilden der Nationalpark Bayerischer Wald und der Nationalpark Šumava eine grenzüberschreitende Waldlandschaft mit Bergwäldern und Hochmooren. Unter anderem finden hier Luchs, Auerhuhn und Schwarzstorch ideale Lebensräume.
Um dieses Erbe greifbar zu machen, dokumentieren nun 200 neue Points of Interest (POIs) in der Grünes Band App die Geschichte, Natur und Kultur dieses Raums. Die Inhalte stehen auf Deutsch, Englisch und Tschechisch sowie als Audio zur Verfügung. Es gibt Routen für Wanderer, Radfahrer (wie am EuroVelo 13) und Autoreisende.
Mit über 3.300 historischen Fotos, Biografien der Todesfälle an der Grenze und der Vorstellung aller Grenzmuseen stellt die App die umfassendste mediale Gesamtpräsentation des Grünen Bandes dar. Die App von berlinHistory e.V. und Wanderwall ist kostenlos, werbefrei und auch offline nutzbar.
Diese Verflechtung von Ökologie und Erinnerungskultur steht im Zentrum einer aktuellen Initiative: Wie die Konferenz der Landesbeauftragten für SED-Opfer kürzlich betonte, wird die Bewerbung des Grünen Bandes als gemischtes UNESCO-Weltnatur- und Kulturerbe nachdrücklich unterstützt. Das Grüne Band sei ein unverzichtbarer Erinnerungsraum und ein Symbol für die friedliche Überwindung der Teilung Europas, an dem Natur- und Zeitgeschichte universell bedeutsam verwoben sind.
Foto: Ehemaliger Friedhof und Fundamente der Friedhofskirche von Plöß. Thom Gallie, Wanderwall
