02. Juli Das Bundesarchiv lädt im August wieder zum Campus-Kino
Die lauen Augustnächte in Berlin sind traditionell die Zeit des Open-Air-Kinos. Doch auf dem Gelände der ehemaligen Stasi-Zentrale in Lichtenberg, dem heutigen Campus für Demokratie, geht es um weit mehr als um bloße Unterhaltung. Wo einst der Überwachungsapparat der DDR tausende Lebensläufe dokumentierte und zerstörte, flimmern heute Geschichten von Widerstand, Verrat und Aufarbeitung über die Leinwand. Das diesjährige vom Bundesarchiv | Stasi-Unterlagen-Archiv veranstaltetete Campus-Kino bietet wieder eindringliche Einblicke in die deutsch-deutsche Vergangenheit – an einem historischen Ort, der wie kein zweiter für die Diktatur, aber auch für deren Überwindung steht.
Ein Termin im sommerlichen Kinokalender sticht dabei als besonders intensiv heraus: Am Dienstag, den 4. August, steht der Film „Spione unter uns“ auf dem Programm. Der Dokumentarfilm von 2025 (Regie: Jamie Coughlin und Gabriel Silverman) beleuchtet ein Schicksal, das tiefer kaum erschüttern könnte. Er begleitet Peter Keup, einst gefeierter Turniertänzer in der DDR, dessen Lebensweg 1981 eine dramatische Wendung nimmt. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch wird er verhaftet und kommt erst durch den Freikauf in die Bundesrepublik frei. Doch der eigentliche Schock folgt Jahre später: Keup entdeckt, dass sein eigener Bruder für die Stasi gearbeitet hat. Dieser Verrat lässt ihn nicht los. Als Historiker beginnt Keup seine Vergangenheit akribisch aufzuarbeiten. Auf der Suche nach Antworten stellt er sich auch ehemaligen Stasi-Offizieren – und konfrontiert sie in eindringlichen Gesprächen mit ihrer Verantwortung.
Es ist ein zutiefst persönlicher Film über Schuld, Erinnerung und den Mut, sich der eigenen Geschichte zu stellen. Was diesen Abend auf dem Campus für Demokratie jedoch außergewöhnlich macht, ist der Dialog, der den Film rahmt. Bereits im Vorgespräch stimmen Dieter Dombrowski und Evelyn Zupke, die Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur, das Publikum auf die sensible Thematik ein. Den emotionalen Höhepunkt dürfte allerdings das anschließende Filmgespräch bilden. Hier begegnen sich auf dem Podium Dr. Peter Keup als Zeitzeuge und Jochen Girke, ein ehemaliger Stasi-Offizier, moderieren wird Frau Prof. Dr. Daniela Münkel (Bundesarchiv | Stasi-Unterlagen-Archiv). Wenn sich der Protagonist und ein einstiger Repräsentant des Unterdrückungsapparats im direkten Dialog gegenüberstehen, wird Geschichte greifbar.
📅 4. August 2026 | 19:30 Uhr, Vorprogramm ab 17 Uhr
🗺️ Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie, 10365 Berlin
ℹ️ Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Da die Plätze begrenzt sind, empfiehlt sich frühes Erscheinen.
Das Campus-Kino läuft vom 3. bis 27. August 2026, es wird auch wieder ein Kinderfilmprogramm geben. Das Programm finden Sie auf der Seite des Bundesarchiv | Stasi-Unterlagen-Archivs.
Foto: Campus-Kino 2025, Lucas Hütter
