31. Jan. Hörtipp: „Grenzgeschichte(n)“ – Neuer Podcast gibt Zwangsausgesiedelten eine Stimme
Wo sich heute das „Grüne Band“ als einzigartiges Biotop durch Deutschland schlängelt, herrschte jahrzehntelanggrauer Beton, Stacheldraht und menschliches Leid an der innerdeutschen Grenze. Ein neuer Podcast macht dieses Unrecht nun auf eindrückliche Weise wieder hörbar.
Unter dem Titel „Grenzgeschichte(n): Als das Grüne Band noch grau war“ hat der Landesheimatbund Sachsen-Anhalt eine fünfteilige Podcast-Reihe veröffentlicht. Die Journalistin und Autorin Ines Godazgar spricht darin mit Zeitzeugen, deren Leben durch die innerdeutsche Grenze unwiderruflich gezeichnet wurde.
In der ersten Folge „Vom Leben im geteilten Dorf“ erzählt Inge Jakobs ihre bewegende Geschichte. 1951 im Doppeldorf Zicherie-Böckwitz geboren, wurde sie als Kleinkind Opfer der berüchtigten „Aktion Ungeziefer“. Ihre Familie wurde zwangsumgesiedelt, floh später und fand in der niedersächsischen Dorfhälfte Zicherie eine neue Bleibe – nur einen Steinwurf vom Geburtshaus entfernt und doch durch den Eisernen Vorhang unerreichbar getrennt.
Ute Juschus berichtet in einer weiteren Folge „Geschleiftes Dorf – Wenn die Heimat langsam verschwindet“ vom Schicksal ihres Heimatdorfes Groß Grabenstedt in der Altmark. Ab 1952 wurden die Bewohner systematisch vertrieben. 1975 musste auch ihre Familie weichen, bevor das Dorf endgültig „geschleift“ – also dem Erdboden gleichgemacht – wurde. Heute erinnern nur noch wenige Fundamente an den Ort, der einst Heimat war.
Grundlage und Inspiration für den Podcast ist Ines Godazgars Buch „Grenzschicksale: Als das Gründe Band noch grau war“, das 2024 erschien und auf fast 600 Seiten Erinnerungen der von Zwangsaussiedlungen 1952 und 1961 betroffenen Menschen versammelt. Podcast und Buch sind für Betroffene und Interessierte wichtige Dokumente der Zeitgeschichte, die die Schicksale hinter den historischen Fakten auf moderne Art beleuchten.
Der Podcast leistet einen wertvollen Beitrag gegen das Vergessen und verdeutlicht, warum der Kampf um Anerkennung für Zwangsausgesiedelte auch heute noch so wichtig ist. Die UOKG setzt sich seit Jahren intensiv für die Anerkennung und Entschädigung der Opfer von Zwangsaussiedlungen ein.
Jetzt reinhören: Den Podcast finden Sie auf der Webseite des Grünen Bandes Sachsen-Anhalt und natürlich auch überall, wo es Podcasts gibt.
Foto: Die Grenze teilt das ehemalige Doppeldorf Zicherie-Böckwitz, Landesheimatbund Sachsen-Anhalt
