Die UOKG und die Venerologischen Stationen in der DDR

Das in den Venerologischen Stationen der DDR geschehene Unrecht wird erst seit einigen Jahren verstärkt in der Öffentlichkeit wahrgenommen und von den Medien aufgegriffen. Dabei wurden während der SED-Diktatur tausende Frauen und Mädchen ab 12 Jahren in den „Tripperburgen” festgehalten und waren täglichen gynäkologischen Untersuchungen und Misshandlungen ausgesetzt – bereits „Herumtreiberei” und der Verdacht auf Geschlechtskrankheiten konnten eine Zwangseinweisung nach sich ziehen. Die systematische Erniedrigung in den venerologischen Stationen ist ein schweres Unrecht, das tiefe Wunden hinterlassen hat. Es ist unerträglich, dass Betroffene immer noch auf eine Anerkennung warten müssen.

Da es in letzter Zeit auch in unseren Sozialen Kanälen zu Nachfragen zum Stand der Aufarbeitung und Entschädigung gekommen ist, möchten wir uns kurz zum Stand der Dinge äußern. Die UOKG bringt das Thema bereits seit einiger Zeit aktiv in die Öffentlichkeit: 2019 unterstützten wir die szenische Lesung „Erinnert – Hautnah – Erzählt” der Zeitzeugin Martina Blankenfeld. 2025 haben wir die wichtige Wanderausstellung „Einweisungsgrund: Herumtreiberei“ (ein Projekt der Gedenkstätte Torgau und der Riebeckstraße 63 e.V. Leipzig) auf dem Frauenkongress in Dessau präsentiert. Und auch 2026 bleiben wir dran: Die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke wird bald ein Fachgespräch zum Thema führen.

Wir setzen uns auch weiterhin vehement für eine Aufarbeitung des Geschehens und die Anerkennung der Opfer des Mißbrauchs auf den Venerologischen Stationen in der DDR ein – auch wenn die Mühlen langsam mahlen. Seien Sie versichert, daß wir uns mit symbolischen Gesten nicht zufriedengeben werden. Es gibt jedoch auch eine Fehlstelle: Bisher haben sich leider noch keine Vereine oder Iniatiativen, die sich spezifisch diesem Thema widmen, für eine Mitgliedschaft an uns gewandt. Eine Bündelung der Kräfte wäre hier sicherlich sehr wertvoll. Hinweisen möchten wir an dieser Stelle auch auf bestehende Netzwerke wie das Erzählcafé in Leipzig und unsere Beratungsstelle.

Foto: Motiv der Wanderausstellung „Einweisungsgrund Herumtreiberei”, Stefanie Leinlos