Tagung „Arbeit, Gewalt und Zwang – Industriekultur und Verantwortung“ in Halle (Saale)

Die Aufarbeitung der SED-Diktatur und insbesondere die systematische Ausbeutung politischer Häftlinge bleiben ein zentrales Anliegen der UOKG. Einen wichtigen wissenschaftlichen und erinnerungskulturellen Beitrag zu diesem Diskurs leistete die interdisziplinäre Tagung „Arbeit, Gewalt und Zwang – Industriekultur und Verantwortung“, die am 20. und 21. November 2025 im Salinemuseum in Halle (Saale) stattfand.

Die unter anderem vom Landesheimatbund Sachsen-Anhalt, dem Institut für Landesgeschichte sowie der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt veranstaltete Konferenz beleuchtete die dunklen Seiten der industriellen Entwicklung in der Region.
Industriekultur wird in der Öffentlichkeit häufig als reine Fortschrittsgeschichte wahr-genommen. Die Tagung in Halle setzte hier einen notwendigen Kontrapunkt und stellte die essenzielle Frage, wie die negativen Folgen und Voraussetzungen von industrieller Entwicklung in ein integratives Narrativ der Industriekultur in Sachsen-Anhalt eingebettet werden können.

Das thematische Umfeld der Konferenz umfasste dabei weite Teile der strukturellen Gewalt in der Arbeitswelt. So wurden in unterschiedlichen Panels die Arbeits- und Gewaltverhältnisse von der Kaiserzeit über den Ersten und Zweiten Weltkrieg bis hin zur SED-Diktatur thematisiert.
Für die UOKG und ihre Mitgliedsverbände war im Rahmen der zweitägigen Konferenz insbesondere das Panel zur „Strafgefangenenarbeit in der DDR“ von herausragender Bedeutung. Die Wirtschaft der SED-Diktatur war zur Erfüllung ihrer Planziele und zur Generierung dringend benötigter Devisen massiv auf den systematischen Einsatz von Inhaftierten angewiesen – auch politischen.

Dr. Christian Sachse, langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter und und Beauftragter der UOKG für die Aufarbeitung von Zwangsarbeit, analysierte in seinem Vortrag, wie das Regime politische Häftlinge in den Schlüsselindustrien der Bezirke Halle und Magdeburg gezielt zur Zwangsarbeit heranzog und extrem belastenden Arbeitsbedingungen aussetzte. Der Historiker Justus Vesting präsentierte tiefgehende Analysen über den Einsatz von Strafgefangenen und Bausoldaten im sogenannten „Chemiedreieck der DDR“ Bitterfeld – Buna – Leuna.

Die auf der Tagung in Halle vorgestellten wissenschaftlichen Erkenntnisse sind für die UOKG weit mehr als nur ein akademischer Rückblick; sie bilden das unverzichtbare Fundament für die aktuelle gesellschaftspolitische Arbeit des Verbandes. Die detaillierte Erforschung der Zwangsarbeit liefert die essenzielle Grundlage für konkrete Entschädigungsforderungen an Politik und Wirtschaft.

Die Tagung hat somit ein starkes Signal gesendet: Das Narrativ der Industriekultur muss zwingend die Perspektive der Opfer inkludieren. Die UOKG wird die historische Forschung weiterhin entschlossen nutzen, um erlittenes Unrecht beim Namen zu nennen, die öffentliche Erinnerung an die Betroffenen wachzuhalten und die historische Verantwortung von Unternehmen in der Gegenwart konsequent einzufordern.

Foto: Tagungsort Salinemuseum in Halle (Saale). Sebastian Sachse, UOKG