07. Apr. Schweriner Stadtvertretung gegen Denkmalschutz für Lenin-Statue – Ein klares Signal für die Opfer
In Schwerin führte eine hoch emotionale Debatte um die überlebensgroße Lenin-Statue auf dem Dreesch zu einer klaren politischen Positionierung: Die Stadtvertretung sprach sich am 23. März 2026 mehrheitlich gegen die Pläne des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege aus, das Monument in die Denkmalliste aufzunehmen. Zwar liegt die rechtliche Endentscheidung über den Denkmalschutz beim Land Mecklenburg-Vorpommern, doch die Stadt sendet damit ein unmissverständliches erinnerungspolitisches Signal aus.
Im Zentrum der Diskussion standen weniger juristische Fragen, sondern vielmehr die Opferperspektive und die historische Verantwortung. In dem verabschiedeten Beschluss, der maßgeblich auf einen Antrag der Grünen zurückgeht, wird unmissverständlich festgestellt: Für politisch Verfolgte, deren Angehörige und für die Opferverbände kommunistischer Diktaturen stellt die Lenin-Statue ein Symbol für Repression, Gewalt und Entrechtung dar. Die Stadtvertretung bekennt sich ausdrücklich zur besonderen Sensibilität und historischen Verantwortung gegenüber diesen Menschen.
Grünen-Fraktionschef Arndt Müller betonte die moralische Dimension der Entscheidung: Es gehe darum, „wie wir uns erinnern und auf welcher Seite wir stehen“. Nicht Diktatoren, sondern deren Opfer müssten im Mittelpunkt stehen. Deutliche Worte fand auch Manfred Strauß (Unabhängige Bürger/FDP): Lenin trage die Verantwortung für den Beginn eines Systems, das Millionen Menschen das Leben gekostet habe. Er sprach der Plastik den Denkmalstatus ab und erklärte, er würde sie am liebsten abreißen. Auch aus der CDU kam klare Ablehnung; Gedenktafeln allein reichten nicht aus, um den Opfern der Diktatur gerecht zu werden.
Widerspruch kam insbesondere von der Fraktion Die Linke. Gerd Böttger warnte davor, Lenin mit den späteren Entwicklungen der Sowjetgeschichte gleichzusetzen. Sein Fraktionskollege Daniel Trepsdorf argumentierte, die „Reibung“ an solchen historischen Artefakten halte die Auseinandersetzung lebendig. Anträge von SPD und Linken auf Einsetzung eines Expertengremiums zur Versachlichung scheiterten jedoch. Auch Ideen, das Umfeld der Statue künstlerisch zu einem Mahnmal umzugestalten (wie von der ASK vorgeschlagen), setzten sich nicht durch.
Fazit des Abends: Die Schweriner Stadtvertretung bezieht mehrheitlich gegen die Eintragung der Lenin-Statue in die Denkmalliste Stellung. Der Beschluss macht deutlich, dass eine unkritische Konservierung von Symbolen kommunistischer Gewaltherrschaft dem Leid der Opfer nicht gerecht wird.
Aktueller Artikel im Katapult MV zum Thema Lenin in Schwerin
Foto: Verhüllung der Lenin-Statue im Juni 2026, S. Czech, UOKG
