Forschungsergebnisse zu Zwangsadoptionen in der DDR vorgestellt: Bestätigung von Systemunrecht

Die Konferenz der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur hat am 22. Januar 2026 die Ergebnisse des Forschungsprojektes „Aufarbeitung Zwangsadoptionen in der SBZ/DDR 1945–1989“ veröffentlicht. Die Studie, durchgeführt von einem interdisziplinären Team mehrerer Universitäten unter Leitung des Deutschen Instituts für Heimerziehungsforschung [www.dih-berlin.de], schließt eine wesentliche Lücke in der Aufarbeitung des DDR-Unrechts.

Bestätigung der Beratungserfahrungen
Die wissenschaftlichen Ergebnisse untermauern die langjährigen Erfahrungen der Landesbeauftragten aus der Beratungspraxis. Viele Eltern und Kinder mussten in der DDR massive staatliche Eingriffe in ihre Familienbeziehungen erleiden, die oft bis zum dauerhaften Kindesentzug führten. Die Studie bestätigt, dass Adoptionen als endgültige Trennung nicht selten unter erheblichem staatlichen und institutionellen Druck erzwungen wurden.

Systemunrecht statt Einzelfälle
Zwar konnte kein Nachweis für ein pauschales, zentral geplantes politisches Vorgehen allein für Adoptionsverfahren gefunden werden, jedoch stellt die Studie klar: Eine Vielzahl der Kindesentzugsmaßnahmen kam durch massive Drucksituationen und unverhältnismäßige Härte zustande. Diese Praktiken sind somit eindeutig als Teil des Systemunrechts der SED-Diktatur zu werten.

Ideologie als Triebfeder
Die Untersuchung verdeutlicht, dass staatliches Handeln oft auf der ideologischen Absicht beruhte, Kinder zu „sozialistischen Persönlichkeiten“ zu erziehen. Das Kindeswohl wurde dabei untrennbar mit den Interessen der SED verknüpft. Der Entzug des Erziehungsrechts diente somit auch als Instrument zur Disziplinierung von Eltern, die sich nicht den sozialistischen Moralvorstellungen unterwarfen.

Wichtiger Schritt für die Aufarbeitung
Für die Landesbeauftragten der ostdeutschen Bundesländer sind diese Erkenntnisse essenziell, um Betroffene bei der Klärung ihres Schicksals und der Suche nach Hilfsangeboten noch fundierter unterstützen zu können. Die Studie validiert das von vielen Opfern erlebte Leid als Unrecht.

Foto: gemini KI S. Sachse

Anlage:

Datei Beschreibung Dateigröße Downloads
pdf 260122 Pressemitteilung der Konferenz der Landesbeauftragten zur Studie Zwangsadoption 234 KB 7