(A) Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen

Historische Entwicklung der Gedenkstätte

Lagergeschichte (1938-1945): Stammlager (Stalag) II A

  • 1938 – die deutsche Wehrmacht erwirbt das Gut Fünfeichen von der damaligen Besitzerin Olga von Maltzahn,
  • 1939 – Baubeginn Kasernenanlage,
  • 1939 – am 12. September, Einlieferung der ersten polnischen Kriegsgefangenen,
  • 1939 – Bau und Errichtung von zwei Kriegsgefangenenlagern (Stalag II A und Stalag II E), später waren im Lager Gefangene aus 10 europäischen Staaten sowie aus Amerika inhaftiert.
  • 1941 – im südlichen Teil des Lagergeländes wird das Lager für sowjetische Kriegsgefangene eingerichtet.
  • 1945 – am 28. April, erreichen sowjetische Panzer das Kriegsgefangenenlager.

Das Lager wurde von dem deutschen Kommandanten des Stalag II A, Hauptmann Menz, dem Kommandeur der sowjetischen Panzereinheit übergeben. Über die im Lager verstorbenen Kriegsgefangenen sind keine gesicherten Kenntnisse und keine genauen Angaben bekannt. Das Lager durchliefen etwa 55.000 bis 60.000 Kriegsgefangene. Nach groben Schätzungen sind im Kriegsgefangenenlager von 1939 bis 1945 etwa 1.500 russische und 500 Kriegsgefangene anderer Nationalitäten ums Leben gekommen. Der letzte Lagerleiter des NKWD-Sonderlagers Nr. 9, Major Drozdov, bezifferte 1949 die sowjetischen Opfer unter den Kriegsgefangenen auf 12.000 bis 15.000. Diese Angabe ist jedoch nie bestätigt worden.
mehr Informationen in wikipedia: Fünfeichen

Lagergeschichte (1945-1948): Internierungs- und Speziallager des NKWD

  • 1945 – Mai/Juni, Errichtung Internierungslager des NKWD Ihlenfelder Straße
  • 1945 – August, Errichtung des Speziallagers Nr. 9 Fünfeichen

Die durchschnittliche Belegungsstärke betrug:

  • 1945: 4.400 Häftlinge
  • 1946: 10.400 Häftlinge
  • 1947: 9.400 Häftlinge
  • 1948: 8.400 Häftlinge (bis 13. Juli)
  • 1948: im Sommer Auflösung des Lagers

Größere Zu- und Abgänge:

  • August 1945 Zugang aus Sachsenhausen: 1.71 7 Häftlinge
  • Januar 1946 Zugang aus Graudenz: 1.751 Häftlinge
  • Januar 1947 Abgang von 686 Häftlingen als Deportierte nach Rußland
  • März 1947 Zugang aus Ketschendorf: 1.570 Häftlinge

Höchster Belegungsstand im September 1946 mit 10.679 Häftlingen. Davon waren 421 Häftlinge Frauen.

In der Zeit von Juli bis September 1948 wurden 5.181 Häftlinge in die Freiheit entlassen. Sie wurden vom sowjetischen Geheimdienst oft ohne Urteil dort interniert und drakonisch bestraft, obwohl die meisten Häftlinge unschuldig waren. Viele wurden einfach wegen ihrer sozialen Herkunft (Unternehmer oder Akademiker) oder wegen ihrer demokratischen Gesinnung interniert (Mitglieder von SPD, LDP und CDU). Die grausamen Haftbedingungen führten in der sowjetischen Besatzungszone zum Tod von zehntausenden Menschen in diesem und ähnlichen Speziallagern.

Nicht entlassen wurden 2.801 Häftlinge. Davon wurden 2.609 Häftlinge in das „Speziallager“ des NWKD in Buchenwald, und 192 Häftlinge (Restkommando) in das ehemalige KZ-Lager Sachsenhausen überstellt, das ebenfalls in ein Speziallager umgewandelt worden war.

Im Lager Fünfeichen sind nach dem gegenwärtigen Erkenntnisstand 5.169 Männer, Frauen und Jugendliche ums Leben gekommen. Im Januar 1949 war die Existenz des NKWD-Lagers Nr. 9 Fünfeichen beendet.

Erinnerungsgeschichte: AG Fünfeichen: Seit 20 Jahren Stimme für Opfer

Die Vereinigung erinnert seit 1991 an die Opfer des stalinistischen «Sonderlagers Nr. 9», das der sowjetische Geheimdienst NKWD 1945 in den Baracken des vorherigen Kriegsgefangenlagers einrichtete. Von etwa 15 000 Insassen, die ab 1945 ohne gerichtliches Verfahren und größtenteils unschuldig eingesperrt wurden, starben rund 4900 im Lager. Mehrere tausend Menschen wurden in andere Lager oder nach Sibirien verschleppt. Die Überlebenden mussten in der DDR über ihr Schicksal schweigen.

  • 1991 – April, offizielle Gründung der Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen (ca. 500 Mitglieder)
  • 1993 – Einweihung der Eingangszone mit dem gestützten Kreuz
  • 1999 – November, Einweihung und Übergabe von 59 Bronzetafeln mit den Namen von 5.1 69 Toten des Lagers Fünfeichen am großen Gräberfeld im Wald von Fünfeichen.
  • 2011 – 6. April, mit Teilnehmern aus ganz Deutschland begeht die Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen in Neubrandenburg ihr 20-jähriges Bestehen.
  • 2016 – Die AG begeht am 30.April  mit einem Festakt ihr 25-jähriges Bestehen.

Über die jährlichen Treffen der AG Fünfeichen berichtete regelmäßig die Zeitschrift „der stacheldraht“.

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Kontakt

Postadresse:
Mahn- und Gedenkstätte Fünfeichen
Stadtverwaltung Neubrandenburg, Grünflächenamt
Rosenstr. 13/15
17033 Neubrandenburg

Tel: 0395/55 51 800, Fax: 0395/55 51 861

Ansprechpartnerin:
Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen
Dr. Rita Lüdtke
Hopfenstraße 5a
17034 Neubrandenburg
Tel. (0395) 566 7014

Fotos:

vermutlich: Heike Brosin, Horst-Helmut Meier

Literatur

Tobias Baumann, Das Speziallager Nr. 9 Fünfeichen

Hans-Peter Range. Das Konzentrationslager Fünfeichen 1945-1948. Ein Mecklenburger Geschichtsbild. 2. Auflage, Güstrow 1991. (Selbstverlag)

Video_DVD: Wir haben nur ans Überleben gedacht. Fünfeichen & Sibirien. 2012