Gespräche zwischen der Deutschen Bahn AG und der Union der Opferverbände über Zwangsarbeit
durch die Reichsbahn der DDR. – Deutsche Bahn: „Wir sind immer gesprächsbereit.“

In ihrer neuesten Ausgabe veröffentlicht die Zeitschrift der Opferverbände „Der Stacheldraht“ ein Interview mit der Leiterin der historischen Abteilung der Bahn AG, Susanne Kill. Darin betont die Historikerin, der Bahn liege daran, „dass die Ausbeutung politischer Häftlinge gründlich durchleuchtet und dokumentiert wird.“ Trotz eigener Forschungen über die Reichsbahn in der DDR verfügt die Deutsche Bahn bisher nur „über wenig Informationen“. Nun sollen unabhängige Historiker mit einer Studie beginnen.

Die Bahn setzt bei der Erforschung auf die Unterstützung der UOKG.

Auf die Frage, ob die Bahn sich an einem Runden Tisch „Zwangsarbeit in der DDR“ beteiligen werde, antwortet Kill: „Wir sind immer gesprächsbereit.“ Juristisch sei allerdings das Bundeseisenbahnvermögen (BEV) zuständig. Letztere Bemerkung bezieht sich wohl auf mögliche Entschädigungsforderungen.

Ein erstes Gespräch zwischen der UOKG und der Deutschen Bahn AG wird noch Ende August 2014 stattfinden.

Dr. Christian Sachse, uokg-Projektleiter „Zwangsarbeit in der SBZ/DDR“

HINTERGRUND: ZEIT | TS | DLF

Zum Europäischen Gedenktag an die Opfer von Stalinismus und Nationalsozialismus

Das feierliche Gedenken an den 25. Jahrestag der Fall der Mauer markiert symbolträchtig das Ende der kommunistischen Systeme in der DDR, in Mittel- und Osteuropa.

Die Teilung zwischen Ost und West wurde jedoch vor 75 Jahren mit dem Hitler-Stalin-Pakt am 23. August 1939 eingeläutet. Einem Pakt, der wie kein anderer bilateraler Vertrag mehr Opfer forderte und mehr Menschenschicksale beeinflusste.

Aus diesem Grund wurde der 23. August vom Europäischen Parlament 2009 als Gedenktag für die Opfer Nationalsozialismus und des Stalinismus mit großer Mehrheit beschlossen. Unterstützt wurde er u.a. von Václav Havel und dem heutigen Bundespräsidenten Joachim Gauck in der „Prager Erklärung zum Gewissen Europas und zum Kommunismus„.

Das Vermächtnis der Millionen Opfer des nationalsozialistischen Vernichtungskriegs und die Verbrechen der kommunistischen Diktatur gegen das Leben und die Menschenwürde fordert überparteiliches Gedenken. Ein solches überparteiliches Gedenken will keine Opferaufrechnung und keine Gleichsetzung, sondern gewichtet jedes Leben gleichwertig.

Denn jedes Leid wird immer individuell und traumatisch erfahren. Nur von diesem Standpunkt aus kann man vor totalitären Systemen jeglicher ideologischer Ausrichtung warnen und die Demokratie begreifen.

Der Ehrenvorsitzende der UOKG und Zeitzeuge Horst Schüler, der kürzlich 90 Jahre alt wurde, betonte die Notwendigkeit eines gemeinsamen Gedenkens: „Das vergangene Jahrhundert gilt als das Jahrhundert zweier verbrecherischer Herrschaftssysteme, deren Terror Millionen und Abermillionen vernichtete. Das nationalsozialistische Regime, das wie ein Giftpilz Europa überzog, produzierte eine bislang nie da gewesene Form des Völkermordes. Letztlich haben sie auch meinen Vater in Sachsenhausen 1942 in den Tod getrieben.

Auch der sich kommunistisch nennende Terror zeichnete sich in der DDR finster aus, am brutalsten aber in der Sowjetunion. Mir haben KGB-Offiziere bei ihren Prügelverhören eine Niere und die Zähne kaputt geschlagen, weil ich als Opfer des Faschismus nach dem Krieg Zeitungsbeiträge im sozialdemokratischen Sinne verfasste.

In den Lagern des Gulags waren wir Christen, Juden, Moslems, Ungläubige, Soldaten der Roten Armee, die aus Kriegsgefangenschaft schnurstracks in die sowjetischen Strafregionen wanderten. Alle waren wir geschundene Opfer. Jedermann konnte jederzeit Opfer des Terrors werden. Eine Diskussion um Deutungshoheit gibt es nachträglich so nur in Deutschland.“

Gerade die aktuelle Diskreditierung der sibirischen Gulag-Gedenkstätte Perm-36 erinnert uns daran, wie das Opfergedenken einer kurzsichtigen und opportunistischen Geschichtspolitik weichen kann, wenn die Aufarbeitung der eigenen „unbequemen“ Vergangenheit ausbleibt. Opfer des stalinistischen Terrors werden zu gewöhnlichen Verbrechern und Vaterlandsverrätern stilisiert. Dieser russischen Geschichtspolitik muss entgegen getreten werden, um das Gedenken und Erinnern an alle Opfer von Diktaturen zu bewahren.

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Am 23. August 2014, 18 Uhr, wollen wir im Berliner Roten Rathaus mit einer gemeinsamen Veranstaltung mit dem Osteuropa-Zentrum Berlin daran erinnern:

Podiumsdiskussion Erinnerung und Vermächtnis

Zum Europäischen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus und Stalinismus

Ort: Berliner Rathaus, Eingang über Jüdenstraße, 10178 Berlin, Raum 338, Beginn: 18.00 Uhr

es diskutieren:

Dr. Richard Buchner (Historiker, Berlin)

Stojan Raischevski (Vorsitzender des Verbandes ISTINA, Sofia)

Ernst Schönemann (stellv. Vorsitzender der UOKG, Berlin)

Walter Sylten (Zeitzeuge zur nationalsozialistischen Diktatur, Berlin)

Gerhard Taege (ehemaliger politischer Häftling im sowjetischen „Speziallager Sachsenhausen“ 1945-1950)

Edda Schönherz (Zeitzeugin zur DDR-Geschichte, Berlin)

Moderation: Detlef W. Stein (Zeithistoriker; Leiter des OEZ BERLIN)

Eine Veranstaltung des OSTEUROPA ZENTRUM BERLIN (OEZB) und der UNION DER OPFERVERBÄNDE KOMMUNISTISCHER GEWALTHERRSCHAFT (UOKG)

Erinnerung und Vermächtnis

Zum Europäischen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus und Stalinismus

Ort: Berliner Rathaus, Eingang über Jüdenstraße, 10178 Berlin, Raum 338  Beginn: 18.00 Uhr

Eine Veranstaltung u.a. mit den folgenden Podiumsteilnehmern:

– Dr. Richard Buchner (Historiker, Berlin)
– Stojan Raischevski (Vorsitzender des Verbandes ISTINA, Sofia)
– Ernst-O. Schönemann (stellv. Vorsitzender der UOKG, Berlin)
– Walter Sylten (Zeitzeuge zur nationalsozialistischen Diktatur, Berlin)
– Gerhard Taege (ehem. politischer Häftling sowj. Speziallager Sachsenhausen 1945-1950)
– Edda Schönherz (Zeitzeugin zur DDR-Geschichte, Berlin)
Moderation: Detlef W. Stein (Leiter des OEZ Berlin)

Eine Veranstaltung des OSTEUROPA ZENTRUM BERLIN
und der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG)