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Hintergrund

In den Jahren von 1950 bis 1953 sind in dem Moskauer Butyrka-Gefängnis 927 deutsche Frauen und Männer erschossen worden. Sie sind vorher wegen ihres Widerstandes gegen die kommunistische Herrschaft in der DDR von Sowjetischen Militärtribunalen zum Tode verurteilt und ihre Gnadengesuche abgelehnt worden.
Sofort nach der Hinrichtung wurden die Leichen im Krematorium des Friedhofs Donskoje verbrannt, die Asche in einem Massengrab anonym beigesetzt. 2005 ist diesen unschuldigen Opfern einer menschenverachtenden Diktatur auf dem Moskauer Friedhof ein Ehrenmal errichtet worden, das der damalige Präsident des Bundesrates, Brandenburgs Ministerpräsident Platzek in Anwesenheit von Hinterbliebenen und von Vertretern der deutschen Opferorganisationen einweihte. In diesem Zusammenhang muss darauf verwiesen worden, dass die Militärtribunale deutlich mehr Todesurteile verhängten, ein Teil von ihnen aber vom Obersten Sowjet in lange Haftstrafen umgewandelt wurden.
Im Auftrag von Memorial International, Moskau, des Historischen Forschungsinstituts Facts & Files, Berlin sowie der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur erschien 2005 das Buch „Erschossen in Moskau…“ Es enthält Kurzbiographien der 927 erschossenen Frauen und Männer und weiterhin drei ausführliche wissenschaftlich fundierte Berichte über die Praxis der Sowjetischen Militärtribunale in der ‚SBZ/DDR und die Verfolgung von politischen Gegnern durch den sowjetischen Geheimdienst und die Staatssicherheit.

Der GULag

Die Hauptverwaltung der Lager in der sowjetischen Administration trug den Namen „Glawnoje Uprawlenije Lagerej“, abgekürzt „GULag“. Der russische Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn sorgte mit seinem 1973 erschienen Hauptwerk „DER ARCHIPEL GULAG“ dafür, dass der Name GULag auch in der westlichen Welt zu einem Begriff des Schreckens und zum Sinnbild des kommunistischen Zwangsarbeitssystems wurde. Bereits durch einen Erlass des Obersten Sowjets vom 28. August 1941 wurden viele Deutsche betroffen, die als Emigranten in der Sowjetunion lebten und in Straflager oder Verbannungsorte kamen. Gleiches wurde Millionen Russland-Deutschen zuteil. Die Gründe für die Verfolgung unzähliger Menschen waren oft politisch und dazu von einer kaum zu überbietenden Absurdität. U.a. gehörten dazu: Liebedienerei vor dem Westen, Lobpreisung der Demokratie, Verwandtschaft mit einem Volksfeind, antisowjetische Agitation, Nichterfüllung von Arbeitssnormen etc.

Die größte Anzahl der in der SBZ bzw. DDR von Sowjetischen Militärtribunalen verurteilten deutschen politischen Häftlinge, die in die Sowjetunion verschleppt wurden, kamen nach Workuta in die autonome Komi-Republik der UdSSR. Dabei handelt es sich um eine klimatisch unwirtliche Polarregion im äußersten Norden des europäischen Russlands, die ursprünglich nur von Samojeden, einem nomadisierenden Volk von Rentierzüchtern, bewohnt war. Dort entstand in den dreißiger Jahren eine der größten Strafregionen des GULag, nachdem reiche Steinkohlevorkommen entdeckt worden waren. In etwa dreißig Lagern befanden sich mehr als einhunderttausend Häftlinge aus allen sowjetischen Völkerschaften und aus den Staaten des Ostblocks. Die meisten von ihnen waren aus politischen Gründen inhaftiert worden. Die Männer arbeiteten unter härtesten Bedingungen in den Bergwerken, die Frauen aus drei Lagern in einer Ziegelei oder beim Straßenbau.

Andere deutsche politische Häftlinge kamen nach Taischet (Gebiet Irkutsk). Dort befanden sich ca. 25 000 Häftlinge, die beim Eisenbahnbau und in Industriebetrieben arbeiteten. Weitere berüchtigte Straflagerregionen, in denen auch Deutsche waren, befanden sich in Karaganda, Potma, Inta, Magadan, Norilks, Jakutsk um nur einige Namen des die gesamte Sowjetunion überspannenden Netzes der Lager zu nennen. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen waren überall gleich schrecklich, sie glichen denen der Sklaven in früheren Jahrhunderten. Zu all dem kamen in vielen Strafregionen ungewöhnliche klimatische Verhältnisse. In Workuta z. B. herrscht acht Monate härtester Winter mit Kältegraden bis zu 60 Grad. Dazu kommen gewaltige Schneestürme, die vom Eismeer her über die baumlose Tundra jagen. Die Lage der Deutschen war deshalb noch besonders hart, weil sie bis lange nach dem Tod Stalins (5. März 1953) keine Schreiberlaubnis hatten. Dies wurde erst Ende 1953 aufgehoben, die Familien in der Heimat bekamen erst Anfang 1954 ein erstes Lebenszeichen ihrer oft vor vielen Jahren verhafteten Angehörigen.

Der sowjetische Geheimdienst

Auf Anordnung Lenins entstand 1917 der sowjetische Geheimdienst, der sich stets als „Schwert und Schild der Partei“ verstand. Er trug bei seiner Gründung den Namen „Tscheka“ (Wserossijaskaja Tschreswytschainaja Komissija po borbe Konrewoljuziej, spekuljazij i sabotaschem: Allrussische außerordentliche Kommission zur Bekämpfung der Konterrevolution, Spekulation und Sabotage. Ihr erster Chef war Felix Dserschinskij, ein Berufsrevolutionär polnischer Herkunft. In seiner Organisation und Struktur wurde der Geheimdienst mehrfach geändert und trug auch unterschiedliche Namen. Zuletzt nannte er sich Komitee für Staatssicherheit vom Ministerrat der UdSSR, kurz KGB. Er hatte neun Hauptverwaltungen mit jeweils speziellen Aufgaben, u. a. Auslandsaufklärung, Spionageabwehr, Observationen, Stellung von Leibwächtern etc. Besonders berüchtigte Leiter des sowjetischen Geheimdienstes waren Jagoda, Jeschow und vor allem der von 1939 an wirkende Lawrentij Pawlowitsch Berija. 1953, nach dem Tod Stalins, wurde er erschossen. Zentrale des Geheimdienstes war die Lubjanka im Zentrum Moskaus.

Seine schrecklichsten Verbrechen verübte der Geheimdienst, damals trug er das Kürzel OGPU, unter der Herrschaft Stalins der als Josef Dschugaschwili 1878 in Gori, Georgien, geboren wurde und von 1924 bis 1953 in der Sowjetunion herrschte. Während seiner Regierungszeit wurden vermeintliche und tatsächliche politische Gegner sowie Millionen weiterer Sowjetbürger und ganze Volksgruppen besetzter Gebiete in Gulag-Strafarbeitslager deportiert. Viele wurden dort ermordet oder kamen durch die unmenschlichen Bedingungen ums Leben.
Die durch ihn vorangetriebene Kollektivierung der Landwirtschaft trug insbesondere in der Ukraine, an der Wolga, am Kuban und anderen Teilen der Sowjetunion zu Hungersnöten bei, denen ungefähr sechs Millionen Menschen zum Opfer fielen.
Die Angehörigen aller kommunistischen Geheimdienste, egal wir ihr offizieller Name war, verstanden sich immer als Tschekisten. Besonders gilt dies auch für den Staatssicherheitsdienst der DDR unter Erich Mielke.

1991 wurde das KGB aufgelöst. Seine geheimdienstlichen Aufgaben übernahm ein Föderaler Sicherheitsdienst, kurz FSB.

Die Namen der Überlebenden finden Sie hier

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Lagergemeinschaft GULag/workuta
Impressum: Horst Schüler, Hamburg | Kontakt. schueler@uokg.de