DER STACHELDRAHT
FÜR FREIHEIT, RECHT UND DEMOKRATIE

DER STACHELDRAHT AUSGABE 7/2009 | Oktober 2009
ÜBERSICHT
     
Schlomann / Odenthal Nordkorea - Neues aus einem verschlossenen Land
   
Rainer Wagner, UOKG e.V. Freiheiten für die Feinde der Freiheit
   
     

 

Friedrich-Wilhelm Schlomann:

Neues aus einem verschlossenen Land

Erste Informationen der Außenwelt gelangen nach Nord-Korea

Foto: Alexander Bauersfeld

Das „Land der Morgenstille“ beherrschte in diesem Jahr häufig die Schlagzeilen. Hatte dessen Nordteil nach seinem Atomtest doch den Bau weiterer Atomwaffen angekündigt und erneut mit Krieg gedroht. Erstmals haben nun auch Rußland und China den Sanktionsbeschluß des Weltsicherheitsrates bestätigt. Der Schlüssel liegt indes bei Peking: Sein Handel mit der „Demokratischen Volksrepublik Korea“ (DVRK) macht 70% ihres Gesamthandels aus. Zudem ist sie in ihrer Energieversorgung völlig vom benachbarten Riesenland abhängig. Der Druck auf Pjöngjang könnte also wesentlich stärker sein. Man befürchtet dann allerdings einen Kollaps im Norden, der die Flucht von schätzungsweise zwei Millionen Nord-Koreanern nach China auslösen würde.

Faktisch unbekannt in West-Europa ist, daß während der letzten Jahre in der nord-koreanischen Bevölkerung ein offenbar nicht unerheblicher Wandel eingetreten ist. Trotz aller Verbote sind es Begegnungen mit Touristen aus dem Ausland und die Zusammenarbeit mit Süd-Koreanern in der Sonderwirtschaftszone Kaesong, die wohl einigen die Augen über die Welt außerhalb ihres Regimes geöffnet haben.

Mit den nord-koreanischen Radiogeräten kann man im Lande lediglich die Programme des dortigen Staatssenders empfangen. So ist es kein Zufall, daß an der Grenze der DVRK zu China der Schmuggel mit chinesischen Radios blüht – der Preis für ein Gerät beträgt umgerechnet zwei Dollar. Im Südteil der Halbinsel gibt es seit einiger Zeit mehrere private Radiosender, die sich an die Landsleute im Norden wenden. Der wichtigste dürfte das „Offene Radio Nord-Korea“ sein, das seit vier Jahren täglich zwei Stunden sendet. Das Programm beinhaltet persönliche Berichte von Flüchtlingen, Darstellungen über das Leben in Süd-Korea und Meldungen aus aller Welt. Leiter ist Ha Tae-keung, der früher nord-koreanischen Flüchtlingen über die Grenze half und mit 14 Schicksalsgefährten in einer kleinen Wohnung in Seoul die Programme für das verschlossene Land nördlich des 38. Breitengrades herstellt – die dann von einem Sender außerhalb Koreas ausgestrahlt werden. In der süd-koreanischen Hauptstadt befindet sich die Zentrale der „Kämpfer für ein freies Nord-Korea“. Die Mitglieder dieser Organisation verschicken mit Hilfe riesengroßer Luftballons Flugblätter, die nach einer genau berechneten Zeit in großer Höhe zerplatzen und dann ihre Botschaften buchstäblich vom Himmel fallen lassen. Die Einsätze starten an Orten in der Nähe der inner-koreanischen Grenze.

Dies alles sollte nicht überschätzt werden. Nachdenklich macht allerdings, daß Mitte Juni dieses Jahres das Brookings Institut (welches die theoretischen Grundlagen für die Außenpolitik der USA erarbeitet) der US-Regierung einen Bericht über zu treffende Vorbereitungen angesichts eines Kollapses in der DVRK zuleitete. Ob und inwieweit die Lage im Norden des „Landes der Morgenstille“ tatsächlich ernst ist, wissen wohl nur die Geheimdienste.

Dr. jur. Friedrich-Wilhelm Schlomann, Königswinter



Christenverfolgung in Nord-Korea

Einer der brutalsten Diktatoren dieser Welt ist Kim Jong-Il, der mit seiner kommunistischen Partei das Volk Nord-Koreas unterdrückt. „Glaubens- und Überlebenskampf – Christen in Nord-Korea“ hieß deshalb auch das Thema einer Tagung am 29. August in der Gedenkbibliothek zu Ehren der Opfer des Stalinismus in Berlin. Eingeladen hatte Gerda Ehrlich vom Verein Christlicher Akademiker, Referent war Gunnar Garms, der als Entwicklungshelfer und Missionar zehn Jahre lang in Asien arbeitete und nun für die christliche Organisation „Open Doors“ tätig ist, deren besondere Aufgabe u.a. in der materiellen Unterstützung verfolgter Christen in kommunistischen Diktaturen besteht.

Garms schilderte anschaulich und erschütternd die Situation der Menschen in Nord-Korea, die dort auch wegen ihres christlichen Glaubens inhaftiert und ermordet werden. Viele versuchen in ihrer Not und Verfolgung durch Flucht in die „Volksrepublik“ China zu entkommen, wo sie häufig von den Staatsorganen verhaftet und an das Regime Kim Jong-Ils ausgeliefert werden. Wie brutal mit den Menschen verfahren wird, zeigt ein Zitat des „Geliebten Führers“:

„Bastarde, die fliehen, müssen bis zum Umfallen arbeiten, und einer nach dem anderen muß getötet werden.“

In Nord-Korea soll es etwa 30 Arbeitslager geben, die Gesamtzahl der Inhaftierten wird auf 1 Million geschätzt, davon Zehntausende Christen.

Offiziell wurden in den letzten Jahren zwei christliche Kirchen in Pjöngjang errichtet, in denen es allerdings keine Priester gibt. Obwohl das System formal angeblich die Grundfreiheiten gewährleistet, ist eine freie Religionsausübung nicht möglich. Der Besitz von Bibeln und christlicher Literatur ist ebenso verboten wie der Empfang ausländischer Sender und jeglicher Kontakt mit ausländischen Besuchern. Diese hermetische Abschottung des knapp 23 Millionen zählenden Volkes ist verbunden mit Terror und permanent vorhandener Angst. Dennoch gibt es immer wieder mutige Menschen, die sich zum christlichen Glauben bekennen, was sie in den Augen der Machthaber sofort als „Oppositionelle“ brandmarkt. Die gemeinsamen Grenzen mit China und Rußland führen zu einer Unterstützung der Diktatur durch diese beiden Staaten, weil sie befürchten, bei einem Zusammenbruch des Regimes könnten US-Truppen bis an ihre Grenzen vorrücken.

An der Veranstaltung nahmen auch zwei Vertreter der Republik Korea (Süd-Korea) als Gäste teil. Von allen Teilnehmern wurde der Wunsch geäußert, daß sich die Bundesregierung und der Menschenrechtsbeauftragte, Günter Nooke, endlich intensiv für die Verwirklichung elementarer Menschenrechte in Nord-Korea einsetzen. Es ist verdienstvoll, daß sich die Gedenkbibliothek immer wieder engagiert mit dem Thema kommunistischer Verfolgungen befaßt, wie es auch in der Dauerausstellung „Utopie und Terror“ deutlich wird, die gut zum Thema der Tagung paßte und sehr empfehlenswert ist.

Anton Odenthal


Links zum Thema:

Washingtonpost: Satellitenansicht der Arbeitslager in Nordkorea

SPIEGEL: 200.000 politische Gefangene in stalinistischen Arbeitslagern

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