(A) Cottbuser Häftlingsgemeinschaft

Damit die Erinnerung nicht abreißt

Die ehem. politische Haftanstalt in Cottbus (Bautzner Str. 140) sollte vom Land an einen Privatinvestor verkauft werden. Damit die Erinnerung an das DDR-Unrecht nicht abreißt, riefen 24 ehem. politische Häftlinge 2002 nach einem Besuch mit dem Berliner BAB die Interessengruppe der Cottbuser Häftlingsgemeinschaft (CHG) ins Leben. Kein Verein sollte gegründet werden, denn die meisten wurden damals freigekauft und lebten jetzt weit weg von Cottbus. Ein Träger und Kooperationspartner der polit. Bildung zur Stabilisierung von Demokratie und Menschenwürde in Deutschland sollte es sein. In die CHG werden nur damals politisch aktive Häftlinge aufgenommen.

2005 waren es 38 Ehemalige aus dem Zuchthaus Cottbus, die über eine Initiative des Berliner LStU (BAB) für Menschenrechtsbildung unterstützt wurden. Inzwischen sind viele verstorben.

Wir unterstützten jahrelang Kunst- und Schülerprojekte im Zuchthaus Cottbus mit authentischen Berichten zum Haftregime und Haftgründen. Davor 2002 bis 2006 mit der Lausitzer Rundschau, dem BStU und den LStU. Später im Rahmen des Menschenrechtszentrums im Zuchthaus mit Audio-Video-Geschichten für die Dauerausstellung, Akten und privaten Exponaten, um dem staatlichen Unrecht in der DDR ein Gesicht zu geben.

In den letzten Jahren sind viele von uns ehrenamtlich aktiv als Referenten in Schulstunden zur zweiten deutschen Diktatur, lesen aus ihren Büchern für die Schülerbildung und für Seminarreihen zur Zivilcourage in Brandenburg und Sachsen unterwegs.

Laut einem Geheimdienstbericht waren 1983 dort 446 politische und 94 kriminelle Gefangene eingesperrt. Unter den 540 Häftlingen, die von 208 Polizeiwärtern und 30 IM der Stasi überwacht wurden, wurden 340 Flüchtlinge (ÜSE) durch die Rechtsprechung der SED (heute Linkspartei) eingesperrt. Flucht war in der DDR verboten. Meist Jugendliche, Eltern, Ärzte oder Autoren für 2-5 Jahre ohne Bewährung. Typische Haftgründe waren Flucht, Passvergehen, staatskritische „Hetze“, Kontakte zu Medien wie dem ZDF oder NGOs wie amnesty.
Nach 1989 saßen dort nach dem Zusammenbruch der DDR vor allem Kleinkriminelle. 1860 war es eröffnet worden und im National-Sozialismus diente es als Jugendgefängnis und Frauenzuchthaus neben Kriminellen für Kriegsdienstverweigerer, Zeugen Jehovas, Bildungsbürger und anderen politisch rebellischen Minderheiten.

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Bildnachweis

Fotos: Ch. Müller, Cottbuser Häftlingsgemeinschaft