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Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft e.V.

Die Tochter von O. Brüsewitz im Gespräch mit Bischof DemkeOskar BrüsewitzPf. Rainer Wagner betete

Das "Fanal von Zeitz" und die evangelische Kirche in der DDR-Gesellschaft -
30 Jahre nach dem Tod von Pfarrer Oskar Brüsewitz in Zeitz.
180 Teilnehmer trafen sich zur UOKG-Konferenz „Kirche im Sozialismus“
am 12. August 2006 im Roten Rathaus in Berlin.

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| PRESSEARTIKEL "DIE KIRCHE"

180 Teilnehmer
Bischof Demke, Rudi Phnke, Ehrhart Neubert und Freya Klier

An der Tagung nahmen u.a. der Vorsitzende des Brüsewitz-Zentrums, Wolfgang Stock, die Publizistin Freya Klier sowie Theologen, Historiker und Zeitzeugen teil. Kulturstaatsminister Bernd Neumann ließ ein Grußwort verlesen: mehr

Kulturstaatsminister Bernd Neumann:
"Es gibt Dinge, für die es sich lohnt,
eine kompromisslose Haltung einzunehmen!"
mehr

„Es tobt zwischen Licht und Finsternis ein mächtiger Krieg

"Viele empfinden einen tiefen Graben zwischen den Entscheidungen
und Erklärungen der Kirchenleitungen und dem,
was die Gemeinde wirklich braucht."
Schreiben der Kirchenleitung
BRIEF DER KONFERENZ DER KIRCHENLEITUNGEN IN DER DDR VOM 11.9.1977

Evangelische Christen prägten den Widerstand gegen das Unrechtregime der DDR mit. Am 18. August 1976, vor 30 Jahren, verbrannte sich der Pfarrer Oskar Brüsewitz im Stadtzentrum von Zeitz. Oskar Brüsewitz wollte damit ein Zeichen setzen gegen die politische Unterdrückung in der DDR, gegen Diskriminierung und Verfolgung junger Christen und die atheistische Erziehung im sozialistischen Staat. Gleichzeitig klagte er die Haltung der evangelischen Kirche zur SED-Kirchenpolitik an, die sich immer mehr dem kommunistischen System in der DDR anpasste.

HINTERGRUND ZUR GESCHICHTE: Oskar Brüsewitz - Ein Märtyrer? Oskar Brüsewitz - Lexikon Über sein Leben und Wirken


Oskar Brüsewitz, 47 Jahre alt, aus Ostpreußen stammend, hatte 1969 in Rippicha bei Zeitz seine erste Pfarrstelle angetreten. Als Schuhmachermeister hatte er in Leipzig, Weißenfeld und Weißensee in Thüringen gearbeitet. Schon früh hatte er damit begonnen, volksmissionarisch aktiv zu werden. Er wollte seinem Herrn Jesus Christus dienen und sein Wort unter die Menschen bringen. Mit großer Beharrlichkeit und Energie hat er dann noch ein Direktstudium an der Predigerschule in Erfurt aufgenommen und abgeschlossen, um hauptamtlich als Pfarrer tätig sein zu können.

Und in dieser Pfarrstelle in Rippicha fiel er schnell auf durch seinen Charme und die phantasievollen Provokationen, durch die er im Kirchenkreis ins Gespräch kam. Auf einem Grundstück der Pfarrei richtete er einen Kinderspielplatz ein und postierte darauf die Losung: "Die auf Gott vertrauen, erhalten neue Kraft." Das stand gegenüber dem Schulneubau in Rippicha und wurde zum Stein des Anstoßes - nicht nur für den Lehrer, sondern für die Parteileitung des Kreises. Bei einem fröhlichen Kindersonntag gab es Kaninchen zu gewinnen. In einem brennend trockenen Sommer spannte Brüsewitz sein Pferdefuhrwerk an und fuhr damit in die Kreisstadt Zeitz. Die DDR-Losung "Ohne Gott und Sonnenschein fahren wir die Ernte ein" hatte ihn geärgert. Darum montierte er auf seinem Pferdefuhrwerk die Antwort "Ohne Regen, ohne Gott geht die ganze Welt bankrott!"Natürlich hat die Polizei in Zeitz das Fuhrwerk gestoppt und die Losung kassiert. Meldungen gingen periodisch an den Rat des Bezirkes, der seinerseits der Magdeburger Kirchenleitung Vorwürfe machte, solche Provokationen eines Pfarrers zu dulden.

Schon bei seinen Aktionen als Schuhmachermeister in Weißensee sinnierte das Ministerium für Staatssicherheit darüber, ob dieser Mann wohl geistig voll zurechnungsfähig sei. Das wiederholte sich in den Gesprächen in den 70er Jahren: Man wollte die kirchliche Bestätigung erfahren, daß dieser Mann verrückt sei. Diese Bestätigung kam aber nicht. Denn Brüsewitz war ein normaler Pfarrer. Er hat an der DDR gelitten. Das Bildungsmonopol des Staates mit seiner strengen ideologischen Orientierung hatte seit 25 Jahren zu sich ständig wiederholenden Protesten auf örtlicher und zentraler Ebene durch die Kirche geführt. Noch im März 1975 hatte die Magdeburger Kirchenleitung mit einer großen Kanzelabkündigung diese Vorwürfe erneuert - ebenso wie die katholischen Bischöfe 1974 ihre Stimme gegen die Bildungspolitik erhoben hatten.

Oskar Brüsewitz hat darunter gelitten, daß diese Proteste ohne Erfolg blieben. Auch darunter, daß viele Gemeindemitglieder auf seine Provokationen eher ängstlich reagierten. Wenn er sich laut über diesen kommunistischen Staat beschwerte, wurde es für sie problematisch, sich zu einem solchen Pfarrer zu bekennen. (Quelle: Tag des Herrn, kath. Kirchenzeitung, 1996 zum 20. Jahrestag der Selbstverbrennung)