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Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft e.V.

Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen

Historische Entwicklung der Gedenkstätte

Zeitgeschichtlicher Ablauf der Lagergeschichte:

• 1938 die deutsche Wehrmacht erwirbt das Gut Fünfeichen von der damaligen Besitzerin Olga von Maltzahn
• 1939 Baubeginn Kasernenanlage
• 1939, am 12. September, Einlieferung der ersten polnischen Kriegsgefangenen
• 1939, Bau und Errichtung von zwei Kriegsgefangenenlagern (Stalag II A und Stalag II E)
• Später waren im Lager Gefangene aus 10 europäischen Staaten sowie aus Amerika inhaftiert.
• 1941 wird im südlichen Teil des Lagergeländes das Lager für sowjetische Kriegsgefangene eingerichtet.
• 1945, am 28. April, erreichen sowjetische Panzer das Kriegsgefangenenlager.

In der Zeit von Juli bis September 1948 wurden 5.181 Häftlinge in die Freiheit entlassen. Sie wurden vom sowjetischen Geheimdienst oft ohne Urteil dort interniert und drakonisch bestraft, obwohl die meisten Häftlinge unschuldig waren. Viele wurden einfach wegen ihrer sozialen Herkunft (Unternehmer oder Akademiker) oder wegen ihrer demokratischen Gesinnung interniert (Mitglieder von SPD, LDP und CDU). Die grausamen Haftbedingungen führten in der sowjetischen Besatzungszone zum Tod von zehntausenden Menschen in diesem und ähnlichen Speziallagern.

Nicht entlassen wurden 2.801 Häftlinge. Davon wurden 2.609 Häftlinge in das "Speziallager" des NWKD in Buchenwald, und 192 Häftlinge (Restkommando) in das ehemalige KZ-Lager Sachsenhausen überstellt, das ebenfalls in ein Speziallager umgewandelt worden war.

Im Lager Fünfeichen sind nach dem gegenwärtigen Erkenntnisstand 5.169 Männer, Frauen und Jugendliche ums Leben gekommen. Im Januar 1949 war die Existenz des NKWD-Lagers Nr. 9 Fünfeichen beendet.

Erinnerungsgeschichte:
• 1991, April, offizielle Gründung der Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen
(ca. 500 Mitglieder)
• 1993, Einweihung der Eingangzone mit dem gestützten Kreuz
• 1999, November, Einweihung und Übergabe von 59 Bronzetafeln mit den Namen von 5.1 69 Toten des Lagers Fünfeichen am großen Gräberfeld im Wald von Fünfeichen.

Fotos: heike Brosin, Horst-Helmut Meier

 

Ansprechpartner:
l Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen
Dr. Rita Lüdtke
Hopfenstraße 5a, 17034 Neubrandenburg
Tel. (0395) 566 7014

l Gedenkstätte Neubrandenburg (Fünfeichen)
Mahn- und Gedenkstätte Fünfeichen,
Stadtverwaltung Neubrandenburg, Grünflächenamt,
Rosenstr. 13/15, 17033 Neubrandenburg
Tel: 0395/55 51 800, Fax: 0395/55 51 861
e-mail: stadt@neubrandenburg.de
l Geschichtsaufarbeitung in der Stadt
www.neubrandenburg.de

Das Lager wurde von dem deutschen Kommandanten des Stalag II A, Hauptmann Menz, dem Kommandeur der sowjetischen Panzereinheit übergeben. Über die im Lager verstorbenen Kriegsgefangenen sind keine gesicherten Kenntnisse und keine genauen Angaben bekannt. Nach groben Schätzungen sind im Kriegsgefangenenlager von 1939 bis 1945 etwa 1.500 russische und 500 Kriegsgefangene anderer Nationalitäten ums Leben gekommen. Der letzte Lagerleiter des NKWD-Sonderlagers Nr. 9, Major Drozdov, bezifferte 1949 die sowjetischen Opfer unter den Kriegsgefangenen auf 12.000 bis 15.000. Diese Angabe ist jedoch nie bestätigt worden.

mehr Informationen in wikipedia: Fünfeichen

Das Lager durchliefen etwa 55.000 bis 60.000 Kriegsgefangene.
• 1945, Mai/Juni, Errichtung Internierungslager des NKWD Ihlenfelder Straße
• 1945, August, Errichtung des Speziallagers Nr. 9 Fünfeichen

Ausgebaute Lagerfläche: 722.500 qm Umfang 3.400 Meter Häftlingsbaracken: 33

Das Lager war in 5 Zonen unterteilt:
1. Nordlager
2. Südlager
3. Frauenlager
4. Wirtschaftshof und Werkstätten
5. Sanitär- (Sauna) und Quarantänebaracken
Höchster Belegungsstand im September 1946 mit
10.679 Häftlingen. Davon waren 421 Häftlinge Frauen.

Die durchschnittliche Belegungsstärke betrug:

1945 4.400 Häftlinge
1946 10.400 Häftlinge
1947 9.400 Häftlinge
1 948 8.400 Häftlinge (bis 13. Juli)
Größere Zu- und Abgänge:
- August 1945 Zugang aus Sachsenhausen: 1.71 7 Häftlinge
- Januar 1946 Zugang aus Graudenz: 1.751 Häftlinge
- Januar 1947 Abgang von 686 Häftlingen als Deportierte nach Rußland
- März 1947 Zugang aus Ketschendorf: 1.570 Häftlinge
• 1948 im Sommer Auflösung des Lagers

Quelle: Tobias Baumann, Das Speziallager Nr. 9 Fünfeichen