Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft e.V.

Initiativgruppe NKWD-Lager Tost/Oberschlesien

Das NKWD-Lager Tost (Toszek), Oberschlesien (Polen)

Offizielle Bezeichnung:
Gefängnis-Lager des sowjetischen NKWD.

Der Gebäudekomplex wurde 1884 als "Provinziales Arbeitshaus für Arbeitsscheue" errichtet. Ab 1890 wurden hier bis 1940 jeweils bis zu 500 "Geisteskranke" untergebracht. Von Mai bis etwa Mitte Dezember 1945 nutzte der NKWD die Gebäude für die Unterbringung von knapp 5.000 deutsche Zivilisten.

Ansprechpartner
Initiativgruppe NKWD-Lager Tost/Oberschlesien
Sybille Krägel,
Tel. (040) 53320599
Email: kraegel@uokg.de

Verkehrsverbindung:
Tost liegt ca. 50 km südlich von Oppeln
(150 km südl. von Breslau) heute Polen.
Die Stadt hatte und hat etwa 8.000 Einwohner,
wovon heute die Hälfte deutschstämmig ist.

Wikipedia zum NKWD-Lager Toszek (polnischsprachig)


Tost, Lager 6 (das ehemalige Lazarett heute)


Im Sommer 1945
wurden von Bautzen aus - vermutlich immer wenn das Zuchthaus Bautzen Überfüllung drohte - in drei Viehwaggontransporten insgesamt 3.654 zivile Häftlinge nach Tost verlagert. Die Transporte dauerten zwischen 5-7 Tage bei mangehafter Verpflegung, glühender Hitze, so daß unterwegs Verstorbene namenlos an Haltepunkten am Bahndamm vergraben wurden.

Im Lager befanden sich bereits 1.000 Schlesier aus Breslau, Ober- und Niederschlesien.
Vom SUCHDIENST des DRK bekamen wir in 1996 die Transportlisten mit den 3.654 Namen - auf Russisch. Die Namen waren teilweise sehr nachlässig aufgeschrieben, dennoch ist es mir gelungen fast 80% wieder einzudeutschen.
Der SUCHDIENST überließ uns ebenfalls eine Abschrift der in Tost heimlich geführten und ebenso heimlich aus dem Lager geschmuggelten Sterbeliste mit 1.304 Namen.

Es soll etwa 30 Frauen im Lager gegeben haben, einige standen auf den Transportlisten, alle überlebten. 15 sind jedoch nur namentlich bekannt. Etwa 60 Jugendliche zwischen 14 - 22 Jahre konnten ermittelt werden. - Die Häftlinge wurden seinerzeit in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und dem Sudetenland verhaftet sowie in Schlesien.

Tost wurde im November/Dezember 1945 wieder aufgelöst, die einigermaßen 800 Transportfähigen gingen auf Transport nach Graudenz/Westpreußen und von dort vier Wochen später nach Fünfeichen. Die fast schon etwa 800 überlebenden lebenden Leichen wurden mit ein wenig Verpflegung ohne Transportmöglichkeit nach Hause geschickt. Viele kippten schon vor dem Gefängnistor auf der Straße um - sie würden von den Einwohnern in Tost gepflegt, bis sie starben. Wer den Heimweg nicht mehr schaffte, wird wohl nie mehr zu ermitteln sein.
Tost war ein grausames Zwangsarbeiterlager, wo die Häftlinge meist ohne Gerät - mit den Händen zur Ernte auf den verlassenen Domänen und zur Waldarbeit eingesetzt wurden. Die Bewacher gingen hier besonders
grausam mit den Häftlingen um, die für diese schwere Arbeit völlig unzureichend ernährt wurden. Donnerstags gab es die wöchentliche Schnapsration für die Bewacher, das waren Tage, die die Häftlinge besonders fürchteten. Man zwang u.a. Häftlinge dazu, lebende Mäuse und Frösche zu verschlucken, hieran kamen viele Häftlinge um. - Normal waren auch fürchterliche Schläge bis zum Tod.
Zwischen Juni und Dezember starben hier über 3.000 Männer. Diejenigen die im Lager starben kamen in Massengräber am Rande von Tost. Diejenigen, die während der Außenarbeit umkamen, wurden an Ort und Stelle notdürftig beerdigt.
Im Mai 2005 - vor 60 Jahren - wurde die Pychiatrie von Tost vom NKWD zum Lager/Gefängnis umfunktioniert. Zunächst wurden etwa 1.000 Oberschlesier und Breslauer hier eingepfercht, ab Juli 1945 kamen drei Viehwaggontransporte mit Häftlingen aus dem GELBEN ELEND in Bautzen hinzu.
Aktuell wurden die Gräber des Lagers Tost von Kohlehaufen eines Händlers bedeckt.

Seit 1993 ist Sybille Krägel, deren Vater aus Hainichen/Sachsen in diesem Lager umkam zusammen mit einem ehemaligen Häftling - damals Jugendlicher - dabei, Personendaten und Berichte zu archivieren. Bis heute befinden sich 4.560 Personen-Angaben im Computer.

Im Jahr 1998 konnte mit finanzieller Hilfe der STIFTUNG ZUR AUFARBEITUNG DER SED-DIKTATUR sowie großer Unterstützung des Verlegers W. Bode, dessen Vater ebenfalls in Tost umkam eine kleine Foto-Dokumentation TOST - Neuauflage in 2001 - erstellt werden, in der Dokumente, Berichte, Fotos sowie Personendaten zu finden sind.

Seit 1993 finden regelmäßig Busreisen im Mai von Sachsen aus für Gedenkfeiern an der in 1998 errichteten Gedenkstätte in Tost statt. Noch im Jahr 2003 konnten Angehörige mit wenigstens einen Sterbedatum des Vaters / Großvaters etwas getröstet werden. Es gibt jedoch noch immer ca. 800 sehr unvollständige Daten, die auf Ergänzung durch Familienangehörige oder Freunde warten.


Gedenkstein in Tost (Toszek)

Eine Gedenkfahrt nach Tost/Oberschlesien
zur Gedenkfeier an die im Jahre 1945 dort im NKWD-Lager verstorbenen 3.000 Männer findet am 16.5.2015 Anmeldung wieder statt.

 

 

 

Lager in Tost (Polen)

{Artikel vom Januar 2005} | {Artikel vom Mai 2006}

{Artikel vom Oktober 2007}

Ihr Leid wird nie ganz
aufgearbeitet werden

Über den Versuch, das Schicksal der
NKWD-Lager-Insassen in Tost
zu klären von Sybille Krägel

Bereits im Januar 1945 war für Schlesien der Zweite Weltkrieg zu Ende. Am 23. Januar fiel die sowjetische Armee / 1. Ukrainische Front unter Marschall Konjew - in Tost bei Gleiwitz ein und zerstörte teilweise das bis dahin vom Krieg verschonte Städtchen durch Brandschatzung. Die Toster hatten versäumt, die Alkoholbestände der Brauerei und der Schnapsfabrik zu entsorgen. Dies erledigten schnell und gründlich Angehörige der Roten Armee. In Tost gab es auch eine gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichtete psychiatrische Klinik, in der während des Krieges etwa 700 ausländische Offiziere und etwa 250 Juden interniert waren. Im Frühjahr 1945 wurde die Psychiatrie vom NKWD in ein „Gefängnis / Lager“ umfunktioniert – ohne die Möglichkeit, Musik zu betreiben, ohne Besuche und Pakete des schwedischen Roten Kreuzes, ohne Ausflüge zum Schwimmen wie zuvor. Im Mai / Juni1945 zogen Hunderte willkürlich verhaftete – zuvor gefolterte – Oberschlesier ein, die noch Paketreste vom schwedischen Roten kreuz vorfanden. Kurz darauf kamen einige LKW-Ladungen mit weiteren Elendsgestalten hinzu, die nach dem Fall der „Festung Breslau“ Anfang Mai zunächst in die Lager von Kletschkau und Hundsfeld gesteckt wurden. Im November 1945 wurde das Lager aufgelöst. Etwa 800 "lebende Leichen“ wurden entlassen.