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Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft e.V.

IG Zwangsausgesiedelter Mecklenburg-Vorpommern

Zwangsaussiedlungen in der ehemaligen DDR

Zwischen 1952 und 1961 wurden insgesamt ca. 12.000 Personen aus den Grenzgebieten der DDR entlang der ehemaligen Zonengrenze vertrieben. Weitere Einzelausweisungen erfolgten nachweislich bis 1988. Bei diesen groß angelegten vertreibungsaktionen wurden die Betrofenen völlig überrumpelt. 1952 erhielten die Zwangsausgesiedelten ohne Vorankündigung den Ausweisungsbefehl, innerhalb von 24 Stunden den Ort mit der Habe zu verlassen, die die bereitgestellten Transportmöglichkeiten fassen konnten (in Dömitz/Elbe beispielsweise einen halben Güterwagen pro Familie).

1961 war es im wahrsten Sinne des Wortes eine Nacht- und Nebelaktion. Morgens zwischen 4 Uhr und 6 Uhr rückten Kampfgruppeneinheiten mit offenen LKW an, die das Mobiliar der völlig überraschten Menschen aufluden und abtransportierten. Sie mußten ihre Heimat innerhalb von 4 bis 6 Stunden verlassen haben. Die Vertreibungen erfolgten mit Polizeigewalt, ohne Ein- oder Widerspruchsrecht. Sie betrafen völlig unbescholtene Bürger. Die Vertreibungen waren ein Mittel der SED, im Grenzgebiet eine Atmosphäre der Angst, des Mißtrauens und der Verunsicherung zu schaffen, um ein möglichst sicheres Grenzregime installieren zu können.

Ansprechpartner:
IG Zwangsausgesiedelter M/V e.V.
c/o Dipl.-Ing. Helmut Ebel
Johannes-Brahms-Str. 44
19059 Schwerin
Vockfey 2 Mahnmal

Vockfey 2
Bilder von der Einweihung des Denkmals
für die Zwanggsausgesiedelten im Oktober 2006
in Vockfey (Amt Neuhaus, Elbe)

 



Bilder von der Demonstration am 19.12.1992 bei Dömitz
anläßlich der Einweihung der Brücke über die Elbe.

Gedenkstätte für die
Zwangsausgesiedelten


Anlässlich der 45-jährigen Wiederkehr der
Zwangsaussiedlungsaktion “Kornblume”
im Oktober 2006 in Vockfey eingeweiht

von Helmut Ebel,
Vorsitzender der IG Zwangsausgesiedelter M/V

Am 03.10.2006, dem Tag, an dem sich die Zwangsaussiedlungsaktion “Kornblume” der Machthaber des untergegangenen SED-Regimes zum 45. Male jährte, wurde in Vockfey im Amt Neuhaus an der Elbe feierlich eine Gedenkstätte für die Zwangsausgesiedelten eingeweiht. Ca. 300 Menschen, darunter viele Angehörige der betroffenen Familien, die aus dieser Region vertrieben wurden, waren anwesend.

Die Eröffnung der Einweihungsfeier und Gedenkstunde erfolgte durch einen Gedenkgottesdienst. Dieser Gottesdienst unter freiem Himmel wurde durch einen Posaunenchor begleitet und erhielt dadurch eine besondere Feierlichkeit.Die Andacht hielt Pastor Bernd Ullrich, der sehr bewegende Worte fand. Der Lüneburger Landrat Franz Fietz (CDU) freute sich, am 16. Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands an diesem Ereignis teilzunehmen. Der Landkreis und die Gemeinde hatten das Projekt gleichermaßen wohlwollend begleitet, bestätigte gern auch der Bürgermeister der Gemeinde Neuhaus, Dieter Hublitz (CDU).

Der Landesbeauftragte für die Stasiunterlagen in Mecklenburg-Vorpommern, Jörn Mothes, der eigens für diese Feierlichkeit seinen Aufenthalt bei den Veranstaltungen des Tages der Deutschen Einheit in Kiel unterbrach, erinnerte an das ganze Ausmaß der Willkür der Machthaber der kommunistischen Diktatur und an das dadurch hervorgerufene Leid unter den Zwangsausgesiedelten, aber auch an die Angst, Ohnmacht und Unsicherheit bei den Zurückgebliebenen. Darüber hinaus würdigte er das breite und beispielgebende Engagement für die Gedenkstätte, der er viele Besucher wünscht.

Bemerkenswert und bedeutsam ist die Entstehungsgeschichte dieses Gedenkortes. Während der Deichbauten an der Elbe im Jahre 2004 wurden aus dem Kolepanter Brack - ein durch Elbüberflutung hinter dem Deich in Kolepant bei Vockfey entstandenes 18 m tiefes Wasserloch - die baulichen Überreste zahlreicher Gehöfte, die infolge der Zwangsaussiedlungen im Amt Neuhaus zerstört wurden, geborgen. Die Journalistin Karin Toben erfuhr davon und hatte den Gedanken zur Errichtung einer Erinnerungsstätte aus den geborgenen Gegenständen und dem Bauschutt. Sie warb für diese Idee und fand eine große Aufgeschlossenheit beim Verein für Bürgerbegegnung, Frau Hoffmann, beim Heimatmuseum Neuhaus, Frau Panz, aber auch bei vielen hier nicht genannten Bewohnern und Firmen der Region, die das Projekt mit ihren Mitteln und Möglichkeiten unterstützten.

Weiterhin konnten auch die Gemeinde, das Amt und der Landkreis für die Planung, Projektierung und Errichtung der Gedenkstätte gewonnen werden. So entstand innerhalb einer sehr kurzen Frist von zwei Jahren eine Gedenkpyramide aus Bauschutt, altem Hausrat und Resten bäuerlicher Arbeitsgeräte, die von zwei wieder gefundenen Grabsteinen gesäumt wird. Daneben wurde eine kleine Schutzhütte errichtet, in der Geschehnisse der Zwangsaussiedlungen 1952, 1961 und 1975 aufgezeigt sind. Abschließend muss unbedingt erwähnt werden: Was hier durch das Engagement breiter Bevölkerungskreise möglich wurde, ist in dem ehemaligen Grenzgebiet von der Trave bis zur tschechischen Grenze einmalig und muss deshalb besonders hervorgehoben werden. Es ist zu hoffen, dass diese Mahnstätte viele Besucher bekommt und so die Erinnerung daran wach hält, wozu kommunistische Diktaturen fähig sind. | Helmut Ebel, Schwerin, 09.11.2006


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