 |
Gedenkstätte
für die
Zwangsausgesiedelten
Anlässlich der 45-jährigen Wiederkehr der
Zwangsaussiedlungsaktion “Kornblume”
im Oktober 2006 in Vockfey eingeweiht
von Helmut
Ebel,
Vorsitzender der IG Zwangsausgesiedelter M/V
|
Am 03.10.2006,
dem Tag, an dem sich die Zwangsaussiedlungsaktion “Kornblume” der
Machthaber des untergegangenen SED-Regimes zum 45. Male jährte, wurde
in Vockfey im Amt Neuhaus an der Elbe feierlich eine Gedenkstätte
für die Zwangsausgesiedelten eingeweiht. Ca. 300 Menschen, darunter
viele Angehörige der betroffenen Familien, die aus dieser Region vertrieben
wurden, waren anwesend.
Die Eröffnung
der Einweihungsfeier und Gedenkstunde erfolgte durch einen Gedenkgottesdienst.
Dieser Gottesdienst unter freiem Himmel wurde durch einen Posaunenchor
begleitet und erhielt dadurch eine besondere Feierlichkeit.Die
Andacht hielt Pastor Bernd Ullrich, der sehr bewegende Worte fand.
Der Lüneburger Landrat Franz Fietz (CDU) freute sich, am 16. Jahrestag
der Wiedervereinigung Deutschlands an diesem Ereignis teilzunehmen.
Der Landkreis und die Gemeinde hatten das Projekt gleichermaßen wohlwollend
begleitet, bestätigte gern auch der Bürgermeister der Gemeinde Neuhaus,
Dieter Hublitz (CDU).
Der Landesbeauftragte
für die Stasiunterlagen in Mecklenburg-Vorpommern, Jörn Mothes, der
eigens für diese Feierlichkeit seinen Aufenthalt bei den Veranstaltungen
des Tages der Deutschen Einheit in Kiel unterbrach, erinnerte an das
ganze Ausmaß der Willkür der Machthaber der kommunistischen Diktatur
und an das dadurch hervorgerufene Leid unter den Zwangsausgesiedelten,
aber auch an die Angst, Ohnmacht und Unsicherheit bei den Zurückgebliebenen.
Darüber hinaus würdigte er das breite und beispielgebende Engagement
für die Gedenkstätte, der er viele Besucher wünscht.
Bemerkenswert
und bedeutsam ist die Entstehungsgeschichte dieses Gedenkortes. Während
der Deichbauten an der Elbe im Jahre 2004 wurden aus dem Kolepanter
Brack - ein durch Elbüberflutung hinter dem Deich in Kolepant bei
Vockfey entstandenes 18 m tiefes Wasserloch - die baulichen Überreste
zahlreicher Gehöfte, die infolge der Zwangsaussiedlungen im Amt Neuhaus
zerstört wurden, geborgen. Die Journalistin Karin Toben erfuhr davon
und hatte den Gedanken zur Errichtung einer Erinnerungsstätte aus
den geborgenen Gegenständen und dem Bauschutt. Sie warb für diese
Idee und fand eine große Aufgeschlossenheit beim Verein für Bürgerbegegnung,
Frau Hoffmann, beim Heimatmuseum Neuhaus, Frau Panz, aber auch bei
vielen hier nicht genannten Bewohnern und Firmen der Region, die das
Projekt mit ihren Mitteln und Möglichkeiten unterstützten.
Weiterhin konnten
auch die Gemeinde, das Amt und der Landkreis für die Planung, Projektierung
und Errichtung der Gedenkstätte gewonnen werden. So entstand innerhalb
einer sehr kurzen Frist von zwei Jahren eine Gedenkpyramide aus Bauschutt,
altem Hausrat und Resten bäuerlicher Arbeitsgeräte, die von zwei wieder
gefundenen Grabsteinen gesäumt wird. Daneben wurde eine kleine Schutzhütte
errichtet, in der Geschehnisse der Zwangsaussiedlungen 1952, 1961
und 1975 aufgezeigt sind. Abschließend muss unbedingt erwähnt werden:
Was hier durch das Engagement breiter Bevölkerungskreise möglich wurde,
ist in dem ehemaligen Grenzgebiet von der Trave bis zur tschechischen
Grenze einmalig und muss deshalb besonders hervorgehoben werden. Es
ist zu hoffen, dass diese Mahnstätte viele Besucher bekommt und so
die Erinnerung daran wach hält, wozu kommunistische Diktaturen fähig
sind. | Helmut Ebel, Schwerin, 09.11.2006