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Union der Opferverbände
kommunistischer Gewaltherrschaft e.V.

Berlin, März 2007

UNION DER OPFERVERBÄNDE KOMMUNISTISCHER GEWALTHERRSCHAFT e.V.


Nachruf der UOKG
 
wir trauern um Gisela Gneist


Widerstandskämpfer trauern um Gisela Gneist.
Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sachsenhausen starb in Berlin.
Die Beisetzung wird am 10. April 2007 auf dem Friedhof
an der Heerstraße in Berlin stattfinden.

Die Vorsitzende der „Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen 1945-1950 e.V.“, Gisela Gneist, starb im Alter von 76 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit in Berlin. Mit dieser „tapferen, aufrechten und beseelten Frau“ verliere der Widerstand gegen den Kommunismus eine „herausragende Streiterin für Recht und Gerechtigkeit, gegen das vielfach propagierte Vergessen und die Einseitigkeit des Gedenkens an Unrecht und Gewalt,“ sagte der Vorsitzende der Vereinigung 17.Juni 1953 zum Tode von Gneist.
Die Verstorbene habe „stetig, aufrecht und wirksam“ gegen die Verdrängung kommunistischer Verbrechen im Schatten der von ihr nie bestrittenen Menschheitsverbrechen des Nationalsozialismus gekämpft. Für diese Lebensleistung erhielt sie vor wenigen Monaten das Bundesverdienstkreuz aus der Hand des Bundespräsidenten Horst Köhler.

Gisela Gneist, 1930 in Wittenberge geboren, wurde am 29.Dezember 1945 im Alter von 15 Jahren nach einer Denunziation in Wittenberg verhaftet und nach Stationen durch GPU-Keller (GPU – Sowjetische Geheimpolizei) und Strafanstalten 1946 in das Speziallager Nr.7 (später Nr.1) in Sachsenhausen verbracht, wo sie mit Tausenden Unschuldiger, von denen viele starben, bis 1950 unter unmenschlichen Bedingungen leben musste.

„In den GPU-Kellern gab es Schläge mit der Peitsche und anderen Gegenständen bei Essensentzug oder Wassersuppe“, berichtete Gneist beeindruckend in dem Erlebnis-Buch „Allenfalls kommt man für ein halbes Jahr in ein Umschulungslager – Nachkriegsunrecht an Wittenberger Jugendlichen“, Leipzig 2002.
„In Sachsenhausen gab es in den kalten ungeheizten Baracken ab November 1946 nur die halbe Verpflegung, 300 Gramm Brot und Wassersuppe“, berichtet sie. Erst 1948 wurde die Verpflegung wieder besser.
Unerträglich sei ihr als junges Mädchen neben dem „Leid und dem sie umgebenden permanenten Tod auch die Unfassbarkeit der nahtlosen Fortführung von Verbrechen am selben Ort“ gewesen. Wie könne man „Unrecht durch Unrecht ersetzen“? fragte sie permanent Jeden, der sie auf diese schlimmen Jugendjahre im Lager ansprach, in dem neben vielen Namenlosen auch berühmte Menschen wie der Schauspieler George starben.

Dieses Credo um Sinn und Widerspruch des Anspruchs auf den Kampf gegen Ungeist und für die Menschenwürde bestimmte fortan das Leben einer unvergessenen Frau, die nach ihrer Entlassung nach Hamburg übersiedelt, wo sie bis kurz vor ihrem Tod lebte.

Berlin/Hamburg, 23.März 2007