Geschäftsstelle Mitglieder Gedenkstätten Pressemitteilungen  
Vorstand Mitglieder International Pressearchiv Veranstaltungen
Gästebuch Links Publikationen Aktuelles Zurück

 

Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten - Presseinformation 51 / 2006 | SBG 51 / 2006

Oranienburg, 11. August 2006

Speziallager-Museum in der Gedenkstätte Sachsenhausen wurde mit dem Architekturpreis Beton 2006 ausgezeichnet

Die Neugestaltung der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen ist mit einer weiteren Auszeichnung gewürdigt worden. Der Bundesverband der Deutschen Zementindustrie hat einen von vier Architekturpreisen Beton 2005 an den Neubau des Museums "Sowjetisches Speziallager Nr. 7 / Nr. 1 (1945-1950)" vergeben. Der 2001 eröffnete Museumsbau wurde vom Büro Schneider + Schumacher (Frankfurt a.M.) entworfen.

In der Begründung der Jury heißt es: "Zurückhaltung ist der wichtigste Charakterzug des Gebäudes, das den eigentlichen Zeitzeugen, den Baracken und Lagermauern des einstigen Haftlagers Nr. 7 / Nr. 1, 1945-1950, den Vorrang lässt.

Deshalb ist es eingesenkt, deshalb tritt es nur als flacher, dachloser Kubus in Erscheinung. (. . .)"


In die Debatte um den Gedenkstättenleiter Sachsenhausen hat sich im August 2006 auch Jan George eingeschaltet. Der Sohn des Schauspielers Heinrich George, der 1946 im Lager Sachsenhausen ums Leben kam, sieht ebenso wie die Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen 1945-1950 die sowjetischen Opfer des Lagers „durch Herrn Morsch nur nachrangig behandelt“. In einem Brief an die Brandenburgische Kultusministerin Wanka fordert George, Morsch die Verantwortung für das Speziallager in der Gedenkstätte zu entziehen. Zudem hält er die von Günter Morsch angekündigten juristischen Schritte gegen die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für „vollkommen inakzeptabel“. downloadDOWNLOAD DES SCHREIBENS | STREIT BEIGELGT - KEINE OPFER ZWEITER KLASSE



Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft e.V.

Presseerklärung vom 10. Mai 2006

Der Generalsekretär des Internationalen Sachsenhausen-Komitees
gibt zu, hauptamtlicher Stasi-Mitarbeiter gewesen zu sein.

Skandal : Die Staatssicherheit in der Gedenkstätte Sachsenhausen und kein Ende

Herr Rentmeister tritt von seinem Amt als Generalsekretär des Internationalen Sachsenhausenkomitees (ISK) nicht zurück. Der als ehemaliger hauptamtlicher Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) entlarvte Oberst Rentmeister nutzte indessen entsprechende Rücktrittsforderungen zu weiteren massiven Angriffen.

Der „Berliner Zeitung“ sagte er: Es sei „beschämend für das Land, dass es keinen Aufschrei gegeben habe, als ein Politiker überlebende KZ-Insassen dazu aufgefordert habe, auch ehemaliger NS-Verbrecher zu gedenken. Stattdessen sei, eine Karte gezogen worden – seine Stasi-Akte.“ Diese Erklärung ist in ihrer Infamität typisch für einen ehemaligen Stasi-Mitarbeiter, der sich auch heute noch dem Gedankengut der Tschekisten verbunden fühlt. Denn in den Medien ist sehr wohl kritisch zu der Rede des brandenburgischen Innenministers in Sachsenhausen berichtet worden, vor allem aber hat Herr Schönbohm keineswegs dazu aufgefordert, auch ehemalige NS-Verbrecher zu gedenken, sondern nur der Männer, Frauen und Jugendlichen, die von 1945 bis 1949 unschuldig im sogenannten sowjetischen Speziallager Sachsenhausen litten.

In der „Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft“ haben die mehr als 30 im Dachverband vereinten Organisationen mit Opfern kommunistischen Terrors stets die Verbrechen des Nazi-Regimes in aller Schärfe verurteilt und es bedauert, dass sich die Opferverbände zweier schrecklicher Ideologien und Diktaturen so fremd gegenüberstehen. Wenn allerdings frühere hauptamtliche Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes vom Schlage des Herrn Rentmeister, die offenbar aus der Geschichte nichts gelernt haben an die Spitze einer Gemeinschaft wie das Internationale Sachsenhausen-Komitees stehen können, dann verwunderte uns das nicht mehr.

Die dort vereinten Frauen und Männer, die schrecklich während der Nazi-Diktatur leiden mussten, haben einen der demokratischen Freiheit verpflichteten Generalsekretär verdient!

Der Stacheldraht 4 / 2006 | Kommentar von Horst Schüler:

Schiff ahoi!

Als „Narrenschiff“ bezeichnet ein bekannter deutscher Journalist in einer wöchentlich erscheinenden Kolumne unser Land. Und dann führt er Kuriositäten, Grotesken und allerlei mehr an komischen oder auch traurigen Dingen auf, die uns Tag für Tag in unserer Gesellschaft geboten werden – zumeist auf dem politischen Feld. Vor kurzem nun passierte dieses „Narrenschiff“ ein weiteres Etappenziel auf seinem schier unglaublichen Kurs, über dessen Verlauf man den Tränen oft weitaus näher ist als dem Lachen.

Nehmen wir also zur Kenntnis: Ein so integrer Verband wie das Internationale Sachsenhausen-Komitee, in dem sich die Opfer der Nazi-Verbrechen zusammengeschlossen haben, die im KZ Sachsenhausen grauenhafte Jahre überlebten – sie haben einen Generalsekretär, der jüngst als hauptamtlicher Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit vom Nachrichtenmagazin „Spiegel“ entlarvt wurde. Mit Prämien, Medaillen „für treue Dienste“ sowie einer Ehrenurkunde zum 150. Geburtstages von Karl Marx ausgezeichnet wurde Hans Rentmeister, der elf Jahre lang der Stasi diente, um später „andere wichtige staatliche Funktionen“ zu übernehmen. Es ist genau dieser Herr Rentmeister, der Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm kritisiert hatte, weil der bei seiner Rede anläßlich des Gedenktages zur Befreiung der Häftlinge des Nazi-KZ Sachsenhausen auch der unschuldigen Frauen und Männer gedachte, die von 1945 bis 1950 in Sachsenhausen unter kommunistischer Gewalt leiden mußten.

Von der UOKG ist immer beklagt worden, daß sich die Opferverbände der Nazi-Verbrechen und die des kommunistischen Terrors so fremd gegenüber stehen. Wenn sich allerdings ehemalige Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes, denen eine treue kommunistische Gesinnung wohl unterstellt werden darf, in Führungspositionen von Opferverbänden einschleichen können, dann verwundert dies nicht mehr. Volle Kraft voraus also, du „Narrenschiff“, Auf zum nächsten Trauerspiel. Oder wird es mal wieder eine Komödie?


HINTERGRUND:

RBB-Online: Generalsekretär war Stasi-Mitarbeiter

Morgenpost: Mehrfach belobigt - Aktenlage

WELT: Hans Rentmeisters ktitisert Schönbohms Äusserungen

WELT: Schönbohm-Kritiker war Stasiffizier

Presseerklärung der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

Sachsenhausen-Komitee kannte Stasi-Vita seines Generalsekretärs

MERKUR: Die Pflege eines Mythos

Zusammenstellung div. Artikel mit Statistiken

 

31. 08. 2006 Lausitzer Rundschau (Artikel hier)

Sachsenhausen-Streit vorläufig beigelegt - Im Gedenken keine Opfer zweiter Klasse

Die Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen 1945-1950 und die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten haben ihren Streit vorläufig beigelegt. Bei einem Gespräch gestern in Potsdam hätten beide Seiten ihren Willen zur Zusammenarbeit bekundet, sagte Kulturministerin und Stiftungsratsvorsitzende Johanna Wanka (CDU). Die Arbeitsgemeinschaft hatte Stiftungsdirektor Günter Morsch vorgeworfen, er behandle die Opfer des sowjetischen Speziallagers als Opfer zweiter Klasse. Morsch will nach dem Einigungsgespräch auf die angedrohte Unterlassungsklage verzichten. Die Arbeitsgemeinschaft hatte der Stiftung vorgeworfen, ihre Interessen nicht ausreichend zu vertreten. Morsch wiederum beschuldigte die andere Seite, eine Stellungnahme von ihm in einer Zeitung sinnentstellend zu interpretieren und angekündigt, eine Unterlassungserklärung bis zum 21. August anzustrengen. Daraufhin hatte sich Wanka als Vermittlerin eingeschaltet. Sachsenhausen war in der NS-Zeit bis 1945 Konzentrationslager, anschließend bis 1950 sowjetisches Speziallager.

Morsch habe in dem Gespräch ausführlich klargestellt, dass er nie von „Opfern zweiter Klasse“ gesprochen habe, sagte Wanka. Er habe sich vielmehr ausdrücklich gegen jedwede Aufrechnung ausgesprochen. Es gehe ihm um ein würdiges Gedenken aller Opfergruppen. Gisela Gneist habe diese Klarstellungen zur Kenntnis genommen, sagte Wanka. Damit entfalle für Morsch die Grundlage für seine Unterlassungsklage. Abschließend hieß es in der Mitteilung: „Alle Beteiligten waren sich einig, zukünftig stärker an dem gemeinsamen Anliegen der weiteren Entwicklung des Gedenkens an die Speziallagerhäftlinge anzuknüpfen, als an möglicherweise auch weiterhin vorhandene unterschiedliche Auffassungen von deren Gestaltung.“ Der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Thomas Lunacek, begrüßte die Verständigung. Es sei gut, dass der Gesprächsfaden wieder aufgenommen worden sei, hieß es in einer Stellungnahme. Wichtig sei auch die Klarstellung, dass es im Gedenken keine Opfer zweiter Klasse geben dürfe. „Jeder Opfergruppe muss im Gedenken eine würdige Aufmerksamkeit entgegengebracht werden.“ (dpa/kr)