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Union der Opferverbände
kommunistischer Gewaltherrschaft e.V.

Berlin, 22. April 2005

UNION DER OPFERVERBÄNDE KOMMUNISTISCHER GEWALTHERRSCHAFT e.V.
Zum Gedenkkonzept des Senats zur Berliner Mauer

von Harald Strunz, Stellvertretender Vorsitzender

„Wo steht die Mauer?“ „Wo sieht man denn das ganze Mauersystem?“ „Was war nun das Schreckliche an der Berliner Mauer?“ Mit solchen und noch erstaunteren Fragen ziehen seit 15 Jahren Touristen von überall her durch die deutsche Hauptstadt, ohne befriedigende Antworten zu erhalten. Dann kehren diese freiheitsbewussten Menschen nach Belgien, Polen, Tschechien, Honolulu, Tansmanien, Großbritannien, Frankreich, Norwegen zurück mit der Nachricht:

„Es gibt keine Berliner Mauer mehr – die Reste sind nicht der Mühe wert!“ So verschenkt man viele Zehntausende einzigartiger, weil persönlich gefärbter Werbechancen! Eine auch ökonomisch schlimme Bilanz Berlins und der Bundesrepublik Deutschland nach dem historischen Kampf um die Freiheit der Stadt und letztlich des ganzen Westens hier im politischen Zentrum Deutschlands.

Die jetzt endlich vorliegende Konzeption der Senatskulturverwaltung ist zweifach richtig, weil sie

a) dezentral angelegt ist und
b) die Bewahrung des gesamten Mauersystems an entscheidender Stelle vorsieht – vom Nordbahnhof entlang der Bernauer Straße bis zum Mauerpark.

Allerdings ist dabei erstens Eile geboten, um nicht noch höhere Zahlen enttäuschter Berlin-Besucher zu produzieren; zweitens ist die gesamte politische Öffentlichkeit zur Wachsamkeit aufgerufen, damit nicht auch dieser entscheidende Ansatz in einer fatalen Luftnummer endet; denn in Berlin gehen die Uhren anders als in Dresden oder Warschau.

Die meisten erforderlichen Grundstücke befinden sich ja – gegen alle Grundsätze des Rechtsstaates und sogar gegen eine DDR-Verordnung vom Herbst 1961 – in der Hand des Finanzministers. Sie freizubekommen, dazu die Flächen in kirchlichem und privatem Besitz wird intensiver und beharrlicher Anstrengungen des Senats, der Bundesregierung, des Abgeordnetenhauses und des Bundestages bedürfen, dazu des Druckes der politischen Öffentlichkeit. In anderthalb Dekaden ist eben viel zu viel Zeit vergangen.

In diesem Zusammenhang muss man auch nach der Zukunft der Mauerkreuze am Checkpoint Charlie fragen. Selten ist seit 1989 ein politischer Schachzug so einhellig von den verschiedenen Teilen der Bevölkerung begrüßt worden wie dieser Einfall Alexandra Hildebrandts, bekommen doch durch ihn die Toten der Mauer endlich einen Ort, an dem sie als Opfergruppe genannt und betrauert werden können. Die Anlage abzureißen, wenn man auch im Besitz eines juristischen Titels ist, käme einem groben Verstoß gegen die Gedanken und Gefühle der weitaus meisten Gegner des kommunistischen Terrors gleich. Nach genauer Verifizierung der biographischen Daten sollten die Mauerkreuze
vielmehr in die Gesamtkonzeption der Berliner Mauer eingefügt werden.

Schließlich ist heute auch die Beseitigung einer unverständlichen Fehlleistung zu fordern. Die jetzige offizielle Gedenkstätte Bernauer Straße, das Meisterwerk eines Star-Architekten, muss verschwinden. Grotesk irrige Fragen wohlmeinender Besucher sagen in diesem Zusammenhang genug aus: „Warum hat die DDR hier nicht mit Beton, sondern aus Stahl die Mauer gebaut?“ „Hat es auch über diese Wand Fluchtversuche gegeben?“ „Wo verlief das Grenzsicherungssystem hinter dieser Stahlwand?“

Wie sich schon ein politischer Laie vorstellen kann, gibt es nach Fertigstellung des Projekts massenhaft Aufklärungsarbeit durch das Dokumentationszentrum an der Bernauer Straße, das finanziell und personell zu seinen umfassenden Aufgaben der Information, Dokumentation, Interpretation, der Forschung und politischen Bildung endlich auf Dauer angemessen ausgestattet werden muss. Sein angesammeltes Wissen und sein enormer Sachverstand müssen in diese Berliner Zukunftsaufgabe eingebracht werden - auch bei behutsamen Rekonstruktionen, für die ich mit Nachdruck plädiere, sind sie doch in anderen europäischen Städten gegen die Maßstäbe der Denkmalschützer selbstverständlich.

Das Entstehen und Vergehen der Berliner Mauer gehört – auch in der Sicht der gesamten Kulturwelt – zum geschichtlichen Erbe dieser Stadt, und ein solches Erbe verschleudert man nicht.

Weitere Stellungnahmen:
UOKG fordert rasche Umsetzung (nicht erst im Jahre 2011)
Streit um die Konzeption für eine Berliner Mauergedenkstätte