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Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft e.V.
Der
Berliner Tränenpalast: Konzept der Erinnerung an die untergegangene SED-Diktatur
Pressekonferenz
der Stiftung Gedenkstätte Hohenschönhausen am 26. November 2004
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BERLINER ZEITUNG 3.12.2004: AKTUELLE ENTWICKLUNGEN
Redebeitrag des UOKG-Vorsitzenden Horst Schüler im Berliner Tränenpalast. Dort wurden Vorschläge für ein Konzept der Erinnerung an die untergegangene SED-Diktatur durch Dr. Hubertus Knabe, Gedenkstätte Hohenschönhausen und Prof. Dr. Manfred Wilke, Forschungsverbund SED-Staat an der Freien Universität Berlin, vorgestellt.
Es wird Ihnen nicht neu sein, dass wir die Frauen und Männer also, die gegen das kommunistische System Widerstand leisteten und deshalb oft lange Jahre in Gefängnissen und Lagern verbrachten, oder sogar zum Tode verurteilt wurden, dass wir von uns also von den Opfern 2. Klasse oder von den vergessenen Opfern sprechen. Wolf Biermann hat einmal gesagt, dass die Toten des Gulags die einsamsten und elendsten Toten des 20. Jahrhunderts sind. Ihnen, diesen unseren toten Kameraden, fühlen wir uns verpflichtet.Weil es aber in der öffentlichen Diskussion nur und lediglich um den Kampf gegen Rechtsextremismus geht was sicher richtig ist, um nicht missverstanden zu werden derweil es Linksextremismus offenbar nicht gibt, ungeschadet so mancher blutiger Ereignisse, für die Linksextremisten verantwortlich sind deshalb begrüßen wir es, wenn hier heute von kompetenten Wissenschaftlern und Historikern Vorschläge für ein Konzept der Erinnerung an die untergegangene SED-Diktatur gemacht werden. Wobei wir es allerdings für vollständiger halten, wenn nicht nur an die SED-Diktatur erinnert wird, sondern an das Herrschaftssystem des Kommunismus überhaupt, die SED-Diktatur war nur ein Anhängsel dieses Systems.
Wir wünschen uns also sehr, dass als Folge dieser Pressekonferenz endlich Wirklichkeit wird, was Bundespräsident Rau vor etwas mehr als einem Jahr anlässlich der Gedenkfeiern zum 50. Jahrestag des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 im Deutschen Bundestag sagte, nämlich dem Sinne nach: Der Widerstand gegen den Kommunismus, der in den Volksaufstand im Juni 1953 mündete, gehört zu den stolzen Ereignissen in der deutschen Geschichte. Wir tun gut daran, sein Erbe wach zu halten und hochzuhalten. Dieser Widerstand ist eine der großen Wegmarken deutscher und europäischer Freiheitsgeschichte. Er soll uns dauerndes Vorbild sein.
Dauerndes Vorbild also. Das muss man sich einmal vor Augen halten, um die Peinlichkeit ermessen zu können, wie man hier in Berlin um ein paar Bilder streitet, die am Finanzministerium an die Ereignisse des 17. Juni 1953 erinnern. Gar nicht erst zu reden von dem Gedenken an die über tausend bei Fluchtversuchen an der innerdeutschen Grenze erschossenen Frauen und Männer, dem durch eine private Initiative am Checkpoint Charlie endlich Ausdruck verliehen wurde. Man mag über die künstlerische Gestaltung dieser Gedenkstätte geteilter Meinung sein, auf jeden Fall aber sollte man anerkennen, dass hier endlich einmal etwas entstanden ist, was eigentlich vor Jahren schon durch die Stadt Berlin, wenn nicht durch die Bundesregierung hätte entstehen müssen. Es ist schon grotesk zu beobachten, wie man in den Parteien jetzt anfängt zu überlegen, wo und wie eine würdige Erinnerungsstätte an die Opfer des kommunistischen Terrors geschaffen werden könne. Ausgelöst wurde diese Debatte erst durch die eben genannte private Initiative. So lange es aber keine andere würdige Erinnerungsstätte gibt, sollten die Kreuze am Checkpoint Charlie nicht angerührt werden. Das ist eindeutige und geschlossene Meinung aller Opferverbände. Und man sollte in der Verwaltung bitte nicht von Rummel reden, wenn einem der lange dort bestehende Rummel mit Verkaufständen von SED-Orden und Abzeichen nicht gestört hat.
In dem hier vorliegenden Konzept heißt es, die beste Form der Erinnerung seien die authentischen Orte. Das ist auch unsere Meinung. Sie sind deshalb nicht nur zu erhalten, sondern sie müssen ergänzt werden. Der Zustand der Forschungs- und Gedenkstätte in der Normannenstraße in ihrer jetzigen Form ist absolut verbesserungswürdig. Das gilt auch für die Gedenkstätte Hohenschönhausen und für manche andere. Wie z. B. im benachbarten Potsdam um ein paar Euro gerungen wird, um das KGB-Gefängnis in der Leistikowstraße vor dem Verfall zu schützen, ist blamabel und steht im krassen Widerspruch zu all den vielen Sonntagsreden, in denen die Erinnerung an den Terror gegen Andersdenkende beschworen wird.
Also: Alles ist im Sinne der Opferverbände und entspricht ihren Erwartungen, was dem würdigen Gedenken an beide schrecklichen Diktaturen des vergangenen Jahrhunderts dient. Vor allem aber: Gedenkstätten allein werden nicht ausreichen, Erinnerung wach zu halten. Das Gedenken muss auch in unseren Köpfen sein. Soll heißen: Die Kultusminister der Ländern sollen endlich das tun, um was wir sie schon seit Jahren bitten:
Die Geschichte beider Diktaturen in Deutschland muss Teil der Lehrpläne in den Schulen sein. Machen Sie es den Lehrern zur Pflicht, den ihnen anvertrauten jungen Menschen beizubringen, dass auf die braune Diktatur bei uns die rote folgte, jedenfalls in einem Teil unseres Landes. Junge Menschen werden erst dann bereit sein, die Freiheit, in der sie leben, den demokratischen Rechtsstaat also, zu verteidigen, wenn sie eine Ahnung davon bekommen, was Diktaturen an Schrecken bereit halten, egal von welcher Seite sie kommen.